Nach 9b+ - Erstbegehung: Alexander Megos im Interview

Sven König - 24.05.18

Alexander Megos schrieb im Mai 2018 im spanischen Klettergebiet Margalef Klettergeschichte. Der fränkische Kletterer sicherte sich mit der Erstbegehung von ´Perfecto Mundo´ seine erste 9b+, was auf der UIAA-Skala dem unteren zwölften Schwierigkeitsgrad entspricht. Damit ist Alex Megos nach Adam Ondra erst der zweite Kletterer weltweit, der eine Erstbegehung in diesem Grad realisieren konnte. Und nach Ondra und Chris Sharma ist der 24-Jährige der dritte Kletterer überhaupt, dem der Durchstieg einer 9b+ bzw. 12- ¬ Route gelang.

Alexander Megos in ´Supernova´ (11+), die derzeit schwerste Route des Frankenjuras (Bild: Julian Söhnlein)Alexander Megos in ´Supernova´ (11+), die derzeit schwerste Route des Frankenjuras (Bild: Julian Söhnlein)

Alex benötigte 15 Tage für ´Perfecto Mundo´, im Deutschen die ´Perfekte Welt´, bis er sie am 9. Mai dieses Jahres punkten konnte. Der schwere Abschnitt der Route führt über 20 Meter im 45 Grad überhängenden Fels bis zu einem Ruhepunkt, gefolgt von einer zwölf Züge langen Schlüsselpassage und weiteren kleingriffigen Ausstiegsmetern durch eine technisch anspruchsvolle Platte.

Unterstützt wurde Alex bei seinen Versuchen von Chris Sharma, der die Linie vor acht Jahren einbohrte, sowie dem italienischen Spitzenkletterer Stefano Ghisolfi. Beide probierten sich ebenfalls an der Route, so dass das Trio sich gegenseitig zu Höchstleistungen antrieb. Bislang ist Alex der einzige, der ´Perfecto Mundo´ erfolgreich durchsteigen konnte.

Bei einem Aufenthalt im heimischen Frankenjura nach seiner Erstbegehung stellte sich Alex einem kurzen Interview.

Alexander Megos in fränkischem Fels (Bild: Julian Söhnlein)Alexander Megos in fränkischem Fels (Bild: Julian Söhnlein)

Frankenjura.com: Riesenglückwunsch zu ´Perfecto Mundo´, Alex! Brauchst Du nach dieser Glanzleistung erstmal eine mentale Pause oder willst Du es jetzt erst recht wissen? Wie sind Deine Pläne für die weitere Klettersaison?

Alex Megos: Vielen Dank! Ich denke schon, dass mein Körper und mein Kopf jetzt erstmal eine kleine Pause braucht. In der Woche nach dem Durchstieg war ich ziemlich fertig und müde, allein schon weil zuvor der Kopf ständig mit der Route beschäftigt war.

Meine Pläne für die weitere Saison sind noch nicht ganz fix. Ich werde auf jeden Fall mal im Sommer bei ein paar Weltcups im Lead starten.

Frankenjura.com: Die weltweit schwerste und einzige Route im Grad 9c (UIAA 12), ´Silence´ sowie eine weitere 9b+ befinden sich im norwegischen Flatanger, erstbegangen durch Adam Ondra. Reizt es Dich, diese Routen zu wiederholen?

Alex Megos: Ich war 2015 schon mal in Flatanger und habe die erste Wiederholung von ´Thors Hammer´ (9a+| 11/11+) gemacht. Damals hatte ich mir auch überlegt, mir ´Change´ (9b+| 12-) anzuschauen, war aber von der Linie und der optischen Erscheinung der Route nicht sonderlich angetan, um ehrlich zu sein.

Generell würde ich sagen, dass mir der Style in Flatanger nicht sonderlich liegt, weswegen ich meine Probleme haben würde, dort schwer zu klettern. Knieklemmer und Füße zuerst taugen mir einfach nicht so sehr.

Frankenjura.com: Die schwerste Route des Frankenjuras ist „Supernova“ im Grad 9a+/b (UIAA 11+), erstbegangen von Dir im Jahr 2015. Zweieinhalb Jahre nach diesem Highlight stellt sich die Frage: Ist der Frankenjura schon ausgereizt in Sachen Schwierigkeitsklettern? Oder haben die Spots im Frankenjura auch das Potential für eine Route im Grad 9b+ oder schwerer?

Alex Megos: Ich habe Supernova damals mit 9a+/b bewertet, wobei ich glaube, dass es auch leicht 9b sein könnte. Ich hoffe, das wird sich zeigen, wenn Wiederholer kommen.

Generell ist es im Frankenjura nicht so leicht mit der Entwicklung des Klettergebiets. Durch die Projektregelung, die wir hier im Frankenjura haben, werden wir nie einen positiven Wettkampf haben, bei dem Routen von mehreren Leuten gleichzeitig probiert werden, die sich gegenseitig pushen. Projekte werden selten freigegeben, auch wenn es in manchen Fällen sinnvoller wäre, anstatt Routen zu modifizieren, bis sie die gewünschte Schwierigkeit haben.

Zudem kommt noch, dass der Frankenjura schon ein altes Klettergebiet ist und durch geologische Gegebenheiten wie die geringe Höhe der Felsen vermutlich kein übermäßig großes Potenzial für neue und schwere Routen vorhanden ist.

Frankenjura.com: Was rätst Du Youngsters, die Dich zum Vorbild haben und auch Profikletterer werden wollen? Wie schafft man es, zu den besten Kletterern der Welt zu gehören?

Alex Megos: Ich kann eigentlich nur einen sinnvollen Tipp geben. Und der lautet: "Habt Spaß am Klettern!". Der Rest ergibt sich dann so, wie es am besten ist. Ich würde nicht auf Biegen und Brechen versuchen, Profi zu werden. Wenn alles zusammen kommt, dann ergibt es sich einfach, gerade wenn man es am wenigsten erwartet. Mit Druck, vor allem mit dem Druck, den man sich selbst macht, wird es nicht besser. Je weniger verbissen man ist, umso besser.

Frankenjura.com: Vielen Dank für Deine Statements und viel Erfolg bei Deinen nächsten Zielen und Projekten, Alex!



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