Kletterfestival 2026: Organisator Nils Beste steht Rede und Antwort

Frankenjura.com - 31.05.26

Nils Beste von Petzl organisiert wie schon 2019, 2022 und 2024 das Kletterfestival vom 04. Juni bis zum 07. Juni 2026 im Frankenjura. Wir haben ihm am Freitagabend - sechs Tage vor Festivalbeginn und kurz vor Dienstschluss - zehn Fragen zum aktuellen Stand gestellt. Der 43-jährige Bergführer gibt einen Einblick hinter die Kulissen, Entscheidungen nach dem großen Regen im vergangenen Jahr und zu Programmhighlights.

Petzl Organisator Nils Beste gibt ein Interview auf dem Kletterfestival (Bild: Simon Toprak)Petzl Organisator Nils Beste gibt ein Interview auf dem Kletterfestival (Bild: Simon Toprak)

Frankenjura.com: Hallo Nils, in ein paar Tagen startet das diesjährige Frankenjura-Kletterfestival. Beim letzten Festival vor zwei Jahren war das Wetter das große Thema: Es hat geregnet wie aus Eimern und das Festivalgelände glich am Ende einer riesigen Schlammpfütze. Bist du nervös, wenn du den Wetterbericht öffnest?

Nils Beste: Hi Sven. Ja, da hast du recht. Das letzte Kletterfestival war heftig in Sachen Regen. Das Gute daran für uns ist, dass wir wissen, dass es nie wieder so schlimm kommen kann wie vor zwei Jahren. Das macht uns relativ entspannt für die nächsten Ausgaben des Festivals.

Wir wissen, wir können improvisieren und wir wissen vor allem, dass uns die Besucher die Treue halten. Es war so schön vor zwei Jahren zu sehen, wie alle Beteiligten sich gegenseitig gefeiert haben, die Motivation hochgehalten haben und irgendwann einfach allen alles egal war und man einfach nur noch das Festival und die gemeinsame Zeit genossen hat.

Für uns war das so ein bisschen der Wacken-Moment des Kletterfestivals, der hoffentlich eine Legende bildet. Die man sich in ein paar Jahren oder Jahrzehnten mal erzählt, wie es damals war, als wir alle durch den Schlamm gewatet sind. Aber klar, ich hoffe natürlich trotzdem, dass es dieses Jahr nicht wieder so wird. Ich denke, es wird eine normale Festivalausgabe mit dem einen oder anderen Regenschauer und damit können wir gut umgehen.

Frankenjura.com: Habt ihr euer Konzept angepasst, also das Kletterfestival regentauglich gemacht?

Nils Beste: Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nach einer einzigen Regenausgabe nicht alles umzuwerfen, gerade weil wir zwei Jahre davor bewusst die Entscheidung getroffen haben, dass das Festival zieht nicht planmäßig in eine Halle umzieht, sondern zur reinen Outdoor-Veranstaltung wird. In der Folge müssen wir uns mit den entstehenden Herausforderungen arrangieren.

Wir haben allerdings einen kleinen Plan B in der Hinterhand: Wir haben die Helmut-Ott-Halle in Auerbach geblockt und können da theoretisch einziehen, aber das würde den Charakter des Festivals komplett verändern. Und es würde viele Sachen zerschießen, die wir in Königstein organisiert haben.

Denn der Deep Water Solo Contest und die Food Trucks können nicht einfach umziehen. Die Festivalbesucher, der ganze Tross müsste nach Auerbach transportiert werden, da würden auch die Shuttlebusse nicht reichen. Also wir versuchen dieses Szenario zu vermeiden, aber wenn es unbedingt sein müsste, könnten wir das schon. Wir würden improvisieren wie vor zwei Jahren.

Frankenjura.com: Bleiben wir beim Wasser. Es gibt also wieder einen Deep Water Solo Wettkampf über dem Königsteiner Freibad?

Nils Beste: Danke, dass du das mit dem Contest ansprichst. Ja, es wird wieder einen Deep Water Solo Contest geben, man könnte ihn oder sollte ihn eigentlich besser Speed Water Solo Contest nennen. Denn wir haben uns dafür entschieden, dass wir keine schweren Boulder schrauben, so dass der Wettkampf nicht über die Schwierigkeit entschieden wird, sondern über die Geschwindigkeit.

Das hat den großen Vorteil, dass an den Bouldern jede und jeder klettern kann, wenn man ein gewisses Mindestlevel hat. Wir haben dieses für Sportlerverhältnisse relativ niedrig angesetzt, so beim 5. oder 6. Grad. Das heißt, wir hoffen auf wirklich rege Beteiligung. Das ist die Wand auch wert, denn darin steckt wirklich viel Geld und viel Aufwand. Ein Team ist volle zwei Wochen beschäftigt mit dem Aufbau der Unterkonstruktion, dem Routenbau und dem anschließenden Abbau.

Genau, von daher noch einmal der Aufruf an alle: Macht da super gerne mit, es gibt Preise im Wert von 4000,- Euro zu gewinnen! Also es lohnt sich und es werden wahrscheinlich auch der eine oder andere Profi, die eine oder andere Profi-Athletin antreten. Das Finale ist am Samstagabend um 19:00 Uhr, wenn das Wetter uns da keinen Strich durch die Rechnung macht.

Viel Regen beim letzten Kletterfestival: Dennoch herrscht emsiges Treiben vor dem Airstream-Caravan, der Gallionsfigur der Veranstaltung (Bild: Simon Toprak)Viel Regen beim letzten Kletterfestival: Dennoch herrscht emsiges Treiben vor dem Airstream-Caravan, der Gallionsfigur der Veranstaltung (Bild: Simon Toprak)

Frankenjura.com: Was sind aus deiner Sicht die diesjährigen Highlights an Veranstaltungen?

Nils Beste: Hm, das ist schwer zu beantworten! Aber ich picke mal ein paar Schlaglichter heraus, also erstens freuen wir uns von „Petzl“ total, dass der Alex Megos, quasi DER fränkische und deutsche Klettersuperstar, einen Vortrag beim Kletterfestival hält. Das hatten wir schon die Jahre davor überlegt, aber meistens waren dann Wettkämpfe im Wege, die dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.

Dann haben wir unsere Athletin Lara Neumeier auf der Bühne, deren Vortrag sicher auch interessant wird. Lara hat sich vor einem Jahr dazu entschieden, die Profischiene einzuschlagen und wirklich vom Klettern und Bergsport zu leben. Das gibt es nicht mehr so häufig, wie man vielleicht denkt. Von daher freuen wir uns über Support und zahlreiches Erscheinen bei ihrem Vortrag.

Und dann haben wir dieses Jahr einen fetten Schwerpunkt auf Party und Konzert beim Kletterfestival. Am Freitagabend wird Thomas Huber mit seiner Band auftreten, unterstützt im Vorprogramm von seinen Söhnen und deren Band. Am Samstagabend gibt's dann noch mal einen fetten Partyabend mit Jamaram, die waren vor vier Jahren dabei und haben ein Hammerkonzert gespielt. Dann spielen die Ohohohs, die beim letzten Festival dabei waren und anschließend legt noch Svana Bjarnason auf, die extra aus Frankreich rüberkommt und eine erfahrene DJane ist. Ja, das sind so meine Highlights, würde ich sagen.

Frankenjura.com: Neben Vorträgen sind kleinere Workshops bei den Besuchern sehr beliebt. Welche Rosinen habt ihr in diesem Jahr zu bieten?

Nils Beste: Ja, wir haben ein Programm von über 50 Workshops auf die Beine gestellt, die alle über die Homepage gegen eine kleine Schutzgebühr buchbar sind. Workshops mit Kletterprominenz sind überwiegend schon ausgebucht, aber es gibt immer noch einige freie Plätze auf der Homepage, also von daher gerne reinschauen und die letzten Plätze buchen.

Als Alternative kann ich die Vormittagsvorträge hervorheben, die ähnlich wie Workshops sind und ein besonderes kletternahes Thema behandeln, aber keine Anmeldepflicht haben. Das heißt, man kann da einfach hinkommen, sie finden auf der Naturbühne statt und drehen sich um Themen wie Essstörungen, Verletzungen beim Klettern, Prophylaxe, Training und so weiter. Ich glaube, das ist eine super Möglichkeit in Themen rund um Klettern tiefer einzusteigen für all die, die vorab keinen Workshop buchen konnten.

Frankenjura.com: Welche Kletterprominenz ist am Start und gibt es Autogrammkarten für Groopies?

Nils Beste: In Sachen Kletterprominenz, da muss ich definitiv einmal die Marke La Sportiva hervorheben, die ein Wahnsinns-Athletenteam auf die Beine gestellt hat, mit dem sie zum Kletterfestival anrückt. Die bringen um die 15 Weltklasse-Athleten mit, darunter sind Melissa Le Nevé, Anna Verhoeven, Klaas Willems, Kilian Fischhuber, Anna Stöhr, Angelika Rainer, Larissa Arce aus Spanien und so weiter. Ich könnte jetzt noch viele mehr aufzählen. Und das Coole ist, dass einige einen speziellen Bezug zum Frankenjura haben, die zum Beispiel „Action directe“ geklettert sind.

Ach ja, nochmal zurück zu den Workshops: La Sportiva hat sich auch ein sehr cooles Workshop-Format überlegt, bei dem man sich auch im Vorfeld nicht anmelden muss oder besser anmelden kann. Das heißt, jeder, der das hier jetzt liest, kann daran noch teilnehmen. Einfach um die Uhrzeit, die wir auf der Festival-Homepage angeben, an den La Sportiva-Stand kommen und dort mit Klettergrößen in den Austausch gehen, um mit ihnen gemeinsam in die Geschichte des Frankenjuras einzutauchen und von deren Routenbegehungen zu hören und vieles mehr. Einfach zu erfahren, was sie zu erzählen haben. Ich glaube, das ist eine richtig, richtig tolle Sache und es bereichert das Festival sehr.

Ah ja, und Autogrammkarten beziehungsweise Autogramme kann man sich natürlich auch gerne am Petzl-Caravan oder am La Sportiva-Zelt oder auch zum Beispiel bei Deuter, wo auch einige Athleten sein werden, abholen. Da freut sich, glaube ich, jeder Athlet, jede Athletin und jeder Aussteller.

Frankenjura.com: Welche Aussteller kommen in diesem Jahr nach Königstein? Und gibt es wieder Foodtrucks?

Nils Beste: In diesem Jahr werden es so um die 30 Aussteller sein. Das fängt an bei kleinen gemeinnützigen Organisationen, die auch die letzten Jahre dabei waren wie die IG Klettern, auch der Alpenverein ist mit einem Stand vertreten. Es geht weiter über die großen Industriepartner, in diesem Jahr neu dabei in der Riege ist Yeti, die auch ein paar witzige Aktionen an ihrem Stand planen. Bis hin zu Anbietern von Klettertrips, kleineren Marken, die auch ihre Kleidung verkaufen.

Also ich glaube, es ist eine sehr bunte Mischung. Genau, und ergänzt wird das Ganze durch Food Trucks. Wobei uns da leider ein Food Truck, ein Falafel-Stand, kurzfristig wegen eines Trauerfalls in der Familie abgesagt hat. Aber wir haben immer noch zwei Food Trucks beziehungsweise Kaffeestände und die Freibad-Gastronomie gibt es in diesem Jahr auch wieder.

Und ich finde, was man immer erwähnen sollte ist der nicht mal fünfminütige Fußweg zum Marktplatz von Königstein, wo mehrere Restaurants darauf warten, dass Festivals-Besucher vorbeikommen und bewirtet werden wollen.

Alexander Huber - hier am Weißenstein beim Kletterfestival 2024 - ist in diesem Jahr nicht am Start, stattdessen sein Bruder Thomas mit BandAlexander Huber - hier am Weißenstein beim Kletterfestival 2024 - ist in diesem Jahr nicht am Start, stattdessen sein Bruder Thomas mit Band

Frankenjura.com: Petzl setzt auch bei diesem Kletterfestival auf Klimaschutz und bietet wie 2022 und 2024 ein Kletterer-Shuttle an. Gibt es hier Neuerungen im Vergleich zu den Vorjahren?

Nils Beste: Ja genau, das Thema ökologische Anreise liegt uns extrem am Herzen und ich find, wenn da eine Community in Sachen umweltfreundliche Anreise vorangehen kann, dann ist es die Kletter-Community. Ja, wir haben die Shuttlebusse wieder. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, weil das Pegnitztal ja für Züge gesperrt ist und wir da improvisieren mussten.

Deswegen haben wir dieses Jahr noch mal mehr Geld in die Hand genommen und einen etwas größeren Aufwand betrieben und haben eine zweite Shuttlebuslinie eingeführt. Die sorgt unter anderem dafür, dass wir auch den Krottenseer Forst anbinden können und dadurch viele attraktive Kletterfelsen mehr als vor zwei Jahren.

Mein Appell ist also: Es gibt jetzt eine so große Felsauswahl, dass es überhaupt kein Grund gibt, mit dem Auto anzureisen. Man muss vielleicht mal einen Schienenersatzverkehr nehmen, um dann aufs Festival zu kommen, aber ich glaube, das ist die Mühe wert und wir freuen wir uns über jeden, der das nutzt und uns das auch dann in dieser Form als Dank zurückzahlt dafür, dass wir diese Möglichkeit schaffen. Das wäre richtig, richtig toll, wenn das genutzt werden würde.

Frankenjura.com: Mit wie vielen Besuchern rechnet ihr? Und wie groß ist das Orga-Team?

Nils Beste: Die Frage nach den Besuchern hängt etwas vom Wetter ab. Gehen wir mal von durchschnittlich gutem Wetter aus, dann würde ich schätzen, dass es so jeden Tag im Schnitt 1000 Leute sind, die aufs Festival kommen. An den ersten ein, zwei Tagen vielleicht ein paar weniger und dann am Samstag vor allem und auch schon am Freitag dann vielleicht auch mal 1500. Also ich denke so über das ganze Wochenende verteilt rechnen wir mit 2000 bis 3000 Besuchern, die vorbeischauen. Mein Gefühl sagt mir, dass es sogar ein paar Besucher mehr werden könnten, wenn das Wetter gut mitspielt, aber das ist einfach auch für uns super, super schwer zu schätzen. Genau, aber das ist so vielleicht die Größenordnung.

Zum Orga-Team, da ist natürlich die Frage, wo man die Grenze zieht, aber der Hauptakteur ist sicher die FrankenPfalz, wo man der Verena Frauenknecht speziell als deren Managerin ein Riesenlob aussprechen muss! Sie unterstützt uns vor Ort wahnsinnig, in der Kommunikation mit den Gemeinden, mit dem Naturpark und so weiter.

Bei Petzl intern sind wir drei Leute, die die seit Monaten ganz stark am Festival arbeiten: Antonia, Felix und ich. Und dann möchte ich noch das Eco-Point-Team hervorheben, die uns ehrenamtlich unterstützen: Maresa, Nadja, Sofie. Sie kümmern sich vor allem um das Thema Shuttlebusse, weil die vor Ort sind, die ganzen Gegebenheiten kennen und uns sehr mit ihrer Expertise helfen: wo wir die Bushaltestellen machen, wie lange eine Runde dauert, welche Felsen man anfahren kann und so weiter. Das Thema Shuttle wäre ohne die Drei nicht möglich gewesen.

Frankenjura.com: Letzte Frage: Womit beschäftigst du dich in den letzten Tagen, bevor es dann am Donnerstag losgeht?

Nils Beste: Hui ja, das wird eine gute Mischung. Einerseits versuche ich so wenig wie möglich in den Wetterbericht zu schauen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich seit heute morgen schon wieder ziemlich angefixt bin, den ständig zu aktualisieren.

Und dann auch damit einfach ein bisschen abzuschalten und zu vertrauen, dass jetzt wirklich alles organisiert ist und man das jetzt im Zweifelsfall eh nicht mehr umbiegen könnte, wenn da irgendwas schiefgelaufen wäre. Dann werden noch ein Haufen Pakete bei uns im Büro eingehen, die Festival-T-Shirts, die gerade per Express aus der Druckerei zu uns geschickt werden, die letzten Banner aus der, aus der Druckerei und so weiter und so fort.

Genau, und dann werden wir am Dienstag packen im Petzl-Büro, der deutschen Petzl-Niederlassung, und werden mit einem fett gepackten Truck nach Königstein fahren und unseren Stand aufbauen. Und hoffentlich die Ersten sein und alle willkommen heißen, die dann nach uns zum Festival kommen. Wir freuen uns riesig!

Frankenjura.com: Vielen Dank Nils für die vielen Infos, dann bis bald beim Festival! Als nächstes checke ich wohl auch den Wetterbericht.



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