Story
Freilaufende Hunde, Sonnenbad und Lagerfeuer: Gernerfels bis auf Widerruf gesperrt
Der Gernerfels ist mit Martin Grulichs Sportkletterklassiker Supernase (8) einer der Meilensteine des modernen Sportkletterns weltweit und lockt nach wie vor viele Kletterer in den Frankenjura, um sich daran zu versuchen. Gleichzeitig liegt dieser Fels im Garten einer Gößweinsteiner Familie: Es sind nur wenige Meter zwischen den Einstiegen der fünf Routen und der Terrassentüre des Anwesens. Dieser Interessenkonflikt ist nach einigen Vermittlungsversuchen eskaliert, so dass der Grundstückseigentümer den Fels "bis auf Widerruf" gesperrt hat. Nachfolgend das Statement des Grundstückseigentümers, das dieser uns zukommen ließ:
"Liebe Kletterer, als damals neue Eigentümer des Grundstückes, auf welchem der Gernerfels steht, ermöglichten wir vor fast dreißig Jahren, dass am Gernerfels wieder offiziell geklettert werden darf.
Im Austausch mit der IG Klettern legten wir wenige Regeln fest, die in sämtlichen Kletterführern veröffentlicht wurden: kein Klettern an Sonn- und Feiertagen und nicht nach 19.00 Uhr; Zugang über die in den Kletterführern festgelegten Wege; Hunde an der Leine führen. Etwa 90% aller Kletterer sind in der Lage, diese Regeln einzuhalten. Ausnahmen haben wir, nachdem wir persönlich angesprochen wurden, auch schon oft zugelassen.
Die restlichen 10% wissen von nichts, laufen Sonntag morgens mit dem Führer in der Hand im Garten herum, lassen ihren Hund frei laufen, benutzen unsere Gartenstühle für ein Sonnenbad, zünden sich ein Lagerfeuer an unserer Feuerstelle an. Diese Kletterer haben angeblich keinen oder einen alten Kletterführer oder wussten nicht, dass ein eingezäuntes Grundstück privat sein könnte.
Auch auf manche Kommentare in Kletterführern, die z.T. unwahr sind, würden wir gerne verzichten: Eigentümer haben neue Tour eingebohrt (Sohn heißt Jakob -> Jakobsweg), oberer Teil des Grundstücks wurde gerodet, Obstbäume und Ziersträucher wurden gepflanzt.
Trotz Beschilderung wird regelmäßig ein Tor im Zaun ausgehängt und zum Teil nicht wieder eingehängt, um zum Felsen zu gelangen. Wir sind zutiefst verärgert und untersagen das Klettern bis auf Widerruf! Sollten wir weiterhin Diskussionen mit Menschen, die über unseren Zaun steigen oder unsere Tore aushängen, führen müssen, werden wir den Felsen dauerhaft sperren, was eigentlich nicht in unserem Sinne liegt."
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Kommentare
TrewwRoc am 09.05.26
Achtung! Man muss sich ja auch nur anschauen wie am Hartenstein trotz Absperrung des Waldbereichs Hängematten gespannt werden und die“Kleinen“ Holziglus bauen. Einfach unbelehrbar!
MarcoA am 08.05.26
Achtung! Über 50% der Flächen in Bayern sind im Privatbesitz. Das wir alle dort klettern dürfen ist ein Entgegenkommen der Bewohner über die gesetzlichen Regeln hinaus. Versteht sich von selbst (oder eben nicht) das wir alle aufpassen müssen, uns das nicht zu verscherzen. Menschen, die uns nicht cool finden sind keine Spießer. Die leben da und lassen uns machen, solange wir niemandem auf den S... gehen. In der Boulderhalle gibts auch Regeln. Da fliegst du raus, wenn du dich nicht dran hälst. Einfach ein bisschen netter sein, emphatischer und nicht so selbstverliebt. Das macht alles so viel einfacher.
LeeMajors am 06.05.26 (bearbeitet am 07.05.26)
Es ist wirklich zum Mäuse melken und kaum zu glauben. Vielleicht hat der ein oder andere gerade das aktuelle Video von Cedric Lachat zu genau dem Thema geschaut (The future of climbing https://www.youtube.com/watch?v=2dDD-d4_Sc8). Der Fall hier bestätigt leider mal wieder meine These, dass die Mehrheit für ein Fehlverhalten von Wenigen leiden muß. Die hier erwähnte Gruppe liest weder Hinweistafeln noch schaut sie Lachat-Videos, denke ich. Der einzige Weg, den ich sehe, ist in unserem freiheitsliebenden Sport der uncoolste: Man muß andere auf ihr Fehlverhalten explizit hinweisen! Auch auf die Gefahr hin als Spießer wahrgenommen zu werden. Hab ich z.B. letztens am Weißenstein gemacht, wo die JBL Box wummerte und nervte. Oh Mann, der schöne Gernerfels. Ich kann die Besitzer indes mehr als verstehen. Genug ist irgendwann genug.
Hannes Huch
Flo H. am 05.05.26
Sehr schade. Ich hoffe sehr, dass das Klettern dort in Zukunft wieder möglich ist.
bk2002 am 05.05.26
Sehr traurig aber absolut nachvollziehbar! Danke an die netten Eigentümer, die das Klettern bisher geduldet haben!
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ahofmann am 11.05.26
@ MarcoA: Wir haben - bei Einhaltung der gesetzlichen Regeln - erst mal das in der Verfassung und in Gesetzen verbriefte Recht die Natur zu betreten; dabei ist es gleichgültig, wem das Grundstück gehört. Am Gernerfels gilt das aber so nicht, weil das mitten im Ort ist.
Das Recht ist das eine, das respektvolle Miteinander fernab von irgendwelchen Gesetzen ist das andere. Und darauf kommt es an!
An der Hartensteiner Wand stellt sich das für mich anders dar: Dort wurde - entgegen der eigentlich gültigen gesetzlichen Regelungen - eine Regelung in den Wald gehangen, die aus meiner Sicht nur teilweise Respekt verdient. Parkregelungen, das Klo am Friedhof benutzen ... alles ok. Was aber das "Verbot" von Kletterkursen angeht oder die Trassierungen - da hört mein Verständnis auf. Das Flatterband ist an sich schon zweifelhaft, es flattert aber auch noch vollkommen verranzt durch den Wald. Das scheint egal zu sein, aber wenn spielende Kinder ein paar Holzstöcke zu einem Iglu zusammenstellen, ist das respektlos? Wenn sich jemand wirklich um den Waldboden sorgt, schaut das anders aus.
Und wenn ich vom "Blockwart" des Felsens angeschrien werde, weil ich unter der Woche bei leerem Felsen dort einen Kurs mache, dann trägt das nicht zu dem guten Miteinander bei, das von mir als Kletterer verlangt wird. Wenn er mir erklären würde, was ihn an Kursen stört, könnte ich verstehen, warum das an allen anderen Felsen statthaft ist, aber an diesem hier nicht. Denn: Nach meinem Verständnis verhalte ich mich respektvoll, weil wir mit unserem Kurs leise sind, nichts da lassen usw.
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