Bibliographie 9c: Alex Megos im Interview

Frankenjura.com - 13.08.20

Vor genau einer Woche, am 06. August 2020 schrieb der fränkische Kletterer Alex Megos im französischen Klettergebiet Céüse Geschichte und erreichte kurz vor seinem 27ten Geburtstag ein großes Ziel. Nach drei Jahren und 60 Tagen Projekt-Belagerung gelang ihm die Erstbegehung der 35 Meter langen Ausdauerroute ´Bibliographie´ und bewertete diese mit 9c. Nach Adam Ondras ´Silence´ aus dem Jahr 2017 ist dies die zweite Route in diesem Schwierigkeitsgrad weltweit. In einem kurzen Interview mit Frankenjura.com erzählt er zur Entstehung des Routennamens, zu seinem Bewertungsvorschlag 9c, nimmt Stellung zur Idee eines Fernduells mit Adam Ondra und verrät, ob er sich auch 10as vorstellen kann.

Bild: Jenya KazbekovaBild: Jenya Kazbekova

Frankenjura.com: Riesenglückwunsch zu Bibliographie, Alex! Warum heißt die Route so? Ist das nur ein Wortspiel mit Jean-Christophe Lafailles Nachbarroute „Biographie“ oder steckt noch etwas anderes dahinter?

Alex Megos: Vielen Dank! Die Route heißt Bibliographie, weil das so im Führer stand, das ist kein Witz. In Frankreich ist es so, dass nicht der Erstbegeher, sondern der Einbohrer den Routennamen vergibt. Im Führer stand das Projekt schon mit Bibliographie beschrieben, so dass ich geglaubt hatte, dass der US-Amerikaner Ethan Pringle – der die Route einbohrte – den Namen so vergeben hat. Der aber war sich selbst nicht mehr sicher, den Namen so vergeben zu haben. Also vermute ich, dass die französischen Führerautoren sich Bibliographie ausgedacht haben, weil sie einen Namen für den Führer gebraucht haben. Und da der Name jetzt schon seit zehn Jahren so im Führer steht, schien es mir am besten, ihn so beizubehalten.

Frankenjura.com: Was ist das besondere an Bibliographie? Welcher deiner schwersten Erstbegehungen oder Wiederholungen ist sie am ähnlichsten?

Alex Megos: Ich denke, dass Biographie (9a+) der Bibliographie schon am ähnlichsten ist. Wegen des ähnlichen blaugrauen Kalks und weil es ähnlich löchrig ist. Der obere Teil von Bibliographie ist sehr sehr céüsetypisch und deswegen ist sie am ehesten mit Biographie vergleichbar.

Alex Megos in Bibliographie (Bild: Julien Clémence)Alex Megos in Bibliographie (Bild: Julien Clémence)

Frankenjura.com: Du hast 9c (UIAA glatt 12) als Bewertung vorgeschlagen, damit steht Bibliographie auf einer Stufe mit der ersten und bisher einzigen 9c der Welt, der Route Silence von Adam Ondra. Bist du sicher, dass das nicht zu hoch gegriffen ist?

Alex Megos: Man kann sich niemals sicher sein, ob der ausgespuckte Grad nicht zu hoch gegriffen ist, weil man eben nur seine eigene Meinung abgeben kann und ich bisher der einzige bin, der sie versucht hat. Was ich aber sagen kann ist, dass mir ist die Route schwerer fiel als Perfecto Mundo (9b+) und deutlich schwerer als alle 9b-Routen, die ich jemals geklettert bin. Und: Nach meinem subjektiven Empfinden war es einen Grad schwerer als Perfecto Mundo (9b+). Aber das heißt nicht, dass der Grad 9c in Stein gemeißelt ist. Es kommt halt darauf an, was die Wiederholer sagen werden.

Frankenjura.com: Wie unterscheidet sich die Bibliographie von Silence? Lassen sich die beiden Routen vergleichen?

Alex Megos: Ich denke, dass sich Silence und Bibliographie keinesfalls vergleichen lassen. Wie es im Video aussieht, ist Silence eine sehr boulderlastige Route mit zwei schweren Boulderstellen und dazwischen hat man immer wieder Nohandrests, die sich aus mehreren Knieklemmern ergeben. Bibliographie geht in die komplett andere Richtung, das ist eher ein Kraftausdauerproblem. Die Schwierigkeit in Ceüse ergibt sich daraus, dass man keine wirklich guten Rastpunkte hat.

Frankenjura.com: In den Kommentaren deines Insta-Profils hat ein Nutzer vorgeschlagen, Adam Ondra soll Bibliographie angehen und du sollst Silence versuchen. Ist das ein realistisches Szenario, ein Fernduell der aktuell besten Felskletterer, wie euch beide die Fachwelt übereinstimmend sieht?

Alex Megos: Ich denke, es ist unrealistisch, dass ich Silence probieren werde, weil mir diese Art von Kletterei nicht ganz so sehr taugt. Die Route kommt mir vom Style einfach nicht entgegen und es macht mir auch nicht so viel Spaß, mit zwei Kneepads zu klettern. Ich kann mich nicht so gut motivieren, soviel Zeit in eine Route zu investieren. Ob Adam ´Bibliographie´ probiert? Ich könnte mir vorstellen, dass er es probiert. Einfach deshalb, weil sie relativ gut erreichbar ist in Ceüse. Aber das ist nur meine Vermutung.

Bild: Jenya KazbekovaBild: Jenya Kazbekova

Frankenjura.com: 60 Tage in der Route, das ist einmalig lang für dich. Selbst Perfecto Mundo (9b+), deine bisher schwerste Erstbegehung, hattest du nach 16 Tagen geknipst. Hat dich Bibliographie körperliche Substanz gekostet?

Alex Megos: Ich denke Ceüse kostet generell körperlich und mental Substanz, allein schon durch die Stunde Zustieg. Insofern hab ich darauf geachtet, dass ich nie länger als zwei Wochen in Céüse bleibe, um meine Energiereserven nicht zu sehr auszuschöpfen. Um die Route zu punkten, habe ich mehrere Trips nach Ceüse unternommen und ein spezielles Training dazwischengeschaltet. Dieses hat sich hauptsächlich auf Ausdauerzirkel konzentriert, weil diese Kraftausdauerkomponente sehr wichtig für den Erfolg in Bibliographie war.

Frankenjura.com: In den sozialen Medien schreibst du, Bibliographie wäre ein persönlicher Meilenstein in deiner Kletterkarriere. War das dein absolutes Highlight? Oder siehst du Potential bei dir für eine 10a?

Alex Megos: Auf jeden Fall ist Bibliographie ein persönlicher Meilenstein mit meiner bis dato schwersten Route. Und ein absolutes Highlight. Ob ich noch schwerer Klettern kann ist die gute Frage, ich wurde schätzen, ja! Aber die erste Hürde wird sein, eine Route zu finden, die Bibliographie und Silence in Schwierigkeit ein Stück weit übertrifft und trotzdem noch im Bereich des Menschenmöglichen liegt. Und da sehe ich eher die große Schwierigkeit.



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Kommentare

yogy am 25.08.20

... ein "echter" Franke mit Vater aus Griechenland... Das oberste Bild zeigt den Zustand, für den man klettern geht. 60 Tage da hoch zu hufen ist echt der Hammer und eine unglaubliche mentale Leistung. Hut ab!

Stefan am 14.08.20

Diesmal sogar einen echten Franken ;-)

P.M. am 14.08.20

Achtung! Nach dem legendären Wolfgang Güllich haben wir wieder einen fränkischen Kletterer, der Klettergeschichte schreibt, einfach der Wahnsinn!

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