Weiterer Umlenkhaken versagt: Annasteinseite im Frankendorfer Klettergarten teilweise gesperrt

Frankenjura.com - 21.11.20

Am vergangenen Mittwoch, den 18.11.2020 ereignete sich im Frankendorfer Klettergarten bei Buttenheim ein Kletterunfall, bei dem ein weiteres Mal ein einzelner Umlenkhaken versagte.

Nachdem ein 38-jähriger Kletterer den Umlenkhaken der Kletterroute Vajoletkante (5) an der Annasteinseite erreicht hatte, wollte er von seinem Kletterpartner am Sicherungsseil wieder zum Routeneinstieg abgelassen werden. Nachdem er sein Sicherungsseil durch einen einzelnen Umlenkhaken gefädelt hatte und sein Sicherungspartner dieses straffte, verlor der Haken seine Bindung mit dem Fels und brach vollständig aus. Lediglich dem glücklichen Umstand, dass noch alle beim Aufstieg verwendeten Zwischensicherungen eingehängt waren, ist es zu verdanken, dass der 38-Jährige keinen Bodensturz erlitt.

Beim Sturz touchierte dieser aber unkontrolliert die Felswand und zog sich dabei mittelschwere Verletzungen zu. Die Ermittlungen zur Unfallursache wurden durch einen Sachbearbeiter für Berg- und Kletterunfälle beim Polizeipräsidium Oberfranken übernommen.

Eine Ortsbesichtigung am Samstag, den 21.11.2020 ergab, dass einige Routen im Umfeld des ausgebrochenen Hakens aus Gründen der Unfallprävention vorübergehend polizeilich gesperrt werden müssen. Die Sperrung betrifft sechs Kletterrouten im Sektor Annasteinseite 05 - Vajoletwinkel an der Annasteinsteite des Frankendorfer Klettergartens und wurde am Wandfuß durch Trassierbänder kenntlich gemacht. Das weitere Vorgehen, insbesondere die fachkundige Überprüfung der nun gesperrten Kletterrouten, erfolgt in der kommenden Woche in enger Absprache zwischen den polizeilichen Sachbearbeitern und der Gemeinde Buttenheim als zuständige Sicherheitsbehörde.

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Schauplatz des Hakenausbruchs: der Sektor Vajoletwinkel der Annasteinseite, eine von drei Wandfluchten des Frankendorfer Klettergartens




Kommentare

b.m.w. am 30.11.20

Wenn nur die Hälfte der bereits genannten 30000 Kletterer/Jahr im nächsten Jahr jeweils eine Umlenkung saniert, dann ist das Umlenkthema der Fränkischen innerhalb einer Saison erledigt. Das ist kein Hexenwerk und jeder kann sowas erlernen - es werden sogar Kurse hierfür angeboten. Soviel zum Thema Eigenverantwortung und Anspruchshaltung ... nur mal so zum Nachdenken.
mfG

Frankenjura.com am 28.11.20

@Bernd Eberhardt: Ein eindrucksvoller Kommentar, der einiger Präzisierungen bedarf.

Was verstehst du unter Kommerzialisierung? Wer verdient daran?

"kommerzielle Nutzung bis auf wenige Ausnahmen untersagen": Was ist kommerzielle Nutzung? Welche Ausnahmen wären gerechtfertigt?

Untersagung kommerzieller Nutzung, Veröffentlichungsverbot, Bewerbungsverbot: Auf welcher demokratischen Rechtsgrundlage soll das alles geschehen?

Bernd Eberhardt am 26.11.20

Die Situation ist auf Grund der Kommerzialisierung völlig aus dem Ruder gelaufen. Genutzt hat das nur denen die daran verdienen. Ergebnis: Klettergebiete völlig überlaufen, teilweise bis zur Unkletterbarkeit abgenutzt (Fels und Haken), Ärger mit Anwohnern und und und. Anzudenken wäre kommerzielle Nutzung bis auf wenige Ausnahmen zu untersagen, keine großflächigen Bewerbungen, Veröffentlichungen und keine weitere Erschließung mehr, inklusive Ausbau zum Hallenniveau.

markus75 am 25.11.20

@Rentner
Wie Du selbst erkannt hast, war mein Post als Anregung zu verstehen und ich freue mich wenn sich jemand auch kritisch damit auseinandersetzt. Danke Dir. Will hier deshalb gar nicht so viel dazu schreiben denn ich denke, deine gegensätzliche Sichtweise hat vollkommen Ihre Daseinsberechtigung – manche Punkte kann ich selbst sehr gut nachvollziehen und in Grunde liegen wir beide glaub ich in unserer grundsätzlichen Einstellung zum Klettersport gar nicht so sehr weit voneinander entfernt.

Die unterschiedlichen Probleme habe ich bewusst miteinander vermengt – denn ich bin nach wie vor davon überzeugt das eben all diese Probleme zusammen dauerhaft zu einen Punkt führen werden – Felssperrungen … Eine Finanzierung wäre meiner Meinung nach durchaus machbar – aber denke, das müsste sicherlich von Experten genau überprüft werden.

Du schreibst ja übrigens selbst: „Man kann auch Felsen einfach schließen, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich Leute verletzen - was eigentlich immer der Fall ist. Sicherheit geht ja bekanntermaßen über alles.“
Ich denke aber gerade das gilt es zu Verhindern … das Felsen gesperrt werden müssen und Gefahr für Leib und Leben droht …

„Klettern ist heute noch eine der Tätigkeiten, die weitgehend selbstbestimmt und eigenverantwortlich ausgeübt werden kann – das ist ein wertvolles Gut. Wir brauchen nicht noch mehr behördliche Eingriffe, noch mehr Kontrolle und Reglementierung“
Da gebe ich Dir vollkommen Recht – das bereitet auch mir sehr, sehr große Bauchschmerzen …

Dennoch bin ich der Ansicht, dass sich dauerhaft alleine durch ehrenamtliche und freiwillige Helfer die Probleme bei den Massen leider nicht mehr lösen lassen … Aber vielleicht gibt es auch einen anderen Weg - die Zeit wird es zeigen ...

Ich hoffe unsere hier genannten (auch deine) Ideen und Anregungen werden von entsprechenden Leuten aufgenommen und die eine oder andere Idee findet vielleicht Beachtung ...

Zum Thema Hakenabstände/Absicherung noch kurz: Ich bin für vernünftige Absicherung (sprich: keine Gefahr für Leib und Leben) – keine Übersicherung wie in der Halle. Routen die von Kletterern(die auch im jeweiligen Schwierigkeitsgrad daheim sind) mit Hilfe von z.B. Keilen oder Friends absicherbar sind, sollten auch so bleiben … die Begehung einer entsprechenden Route kann und sollte jeder Erwachsene selbst entscheiden …

Beeblebrox am 24.11.20

Zum Thema Finanzierbarkeit: Wieso machen wir es nicht wie die Franzosen: Da geht vom Verkauf der Kletterführer ein großer Betrag in den Erhalt der Klettergärten bzw. deren Erschließung. Das heißt, dass diejenigen, die mit dem Verkauf der Kletterführer Geld verdienen, etwas davon abgeben. Außerdem kann in Frankreich nicht jeder bohren, was und wie er will, sondern nur offizielle "Erschließer" nach gewissen Regeln - die dafür natürlich auch Geld bekommen. Das sorgt für eine gleichbleibend hohe Qualität der Absicherung in Punkto Sicherheit des Materials. Und was den enormen Zustrom an Kletterern angeht: Ganz verhindern lässt sich das nicht (mehr) - aber die Massen könnte man besser lenken - sprich verteilen - wenn auch mal die Massive interessanter würden, die wegen der ja schon benannten Gründe im Dornröschenschlaf sind.

Rentner am 24.11.20

@Markus 75:

Deine Vorschläge sind sicher gut gemeint, dennoch liest es für mich so, als ob das Kind mit dem Bade ausgekippt wird.

Zunächst einmal werden hier viele unterschiedliche Probleme, die wenig bis gar nicht zusammenhängen, miteinander vermengt: Ausbrechende Umlenkungen, weite Hakenabstände, vergammelnde Sicherungen, Falschparker und nicht zuletzt Leute, die den Fels mit der Müllhalde verwechseln.

All das soll der Ranger als Vollzeitangestellter richten. Ich möchte hier gar nicht erst die Rechnung aufmachen, welche Kosten entstehen, wenn das effektiv umgesetzt werden soll und nicht als Symbolhandlung (, die man sich auch sparen kann). Da reichen nämlich nicht zwei, drei People, das geht bei dem vorliegenden Fels-/Routenmengengerüst durchaus in den höheren zweistelligen Bereich.

Du stellst zu Recht die Frage: Wer soll das bezahlen? Es wird nicht billiger, wenn Du zusätzlich zu den Materialkosten (im Falle von zusätzlichen Zwischenhaken noch für Leistungen, für deren Notwendigkeit vielfach kein objektiver Maßstab, geschweige denn ein Konsens, besteht) noch Personalkosten schaffst. Es handelt sich zudem um ein Anforderungsprofil, das technische und alpine Kenntnisse mit Polizeiaufgaben vermengt – wer soll das ausfüllen? Sicherlich kein Ungelernter mit Low Cost Anforderungen.

Nutzen? Die überwiegende Anzahl der Kletterer am Fels kann sich benehmen – es gehört gar nicht so viel Mut dazu, andere darauf anzusprechen, die vielleicht einfach nur gedankenlos sind. Warum die paar Ranger einen größeren Effekt bewirken sollen, als viele Kletterer vor Ort, erschließt sich mir nicht – der Ranger ist in aller Regel weit weg. Andererseits ist es rein menschlich, sich dann doch lieber auf ihn zu verlassen, als sich auf einen Wortwechsel mit manchmal unwilligen Zeitgenossen einzulassen. Und es wird von letzteren auch niemand auf die Idee kommen, seinen Müll direkt vor die Füße des Rangers zu kippen.

Sanierung der Umlenker (d. h. Redundanz) scheint mir in erster Linie ein Kosten- und Kapazitätsproblem zu sein. Es gibt sicher schlankere Möglichkeiten, als dazu noch einen Bürokratieapparat aufzubauen, dessen Unterhalt die reinen Sanierungskosten bei weitem übersteigt.

Was aus meiner Sicht am schwersten wiegt: Es entsteht eine Instanz, die mit tiefgreifenden Machtbefugnissen ausgestattet ist – sie wird, allein schon zwecks Verhinderung juristischer Kalamitäten - diese Macht nutzen. Und dann liegt es eben nicht mehr im eigenen Ermessen, ob eine Route (für das eigene Können) ausreichend abgesichert ist bzw. man einen Umlenker hintersichern kann oder nicht – möglicherweise noch kontrolliert über die App, über die man vorher seinen Obolus abgedrückt hat, bietet sich doch an.

Man kann auch Felsen einfach schließen, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich Leute verletzen - was eigentlich immer der Fall ist. Sicherheit geht ja bekanntermaßen über alles. Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten der Einschränkung, z. B. im Zusammenhang mit Covid-19 oder der nächsten Pandemie – die kommt bestimmt.

Klettern ist heute noch eine der Tätigkeiten, die weitgehend selbstbestimmt und eigenverantwortlich ausgeübt werden kann – das ist ein wertvolles Gut. Wir brauchen nicht noch mehr behördliche Eingriffe, noch mehr Kontrolle und Reglementierung. Daher, aber nicht allein deswegen, keine Zustimmung meinerseits für die schöne neue Allianz von Behörden, Fremdenverkehrsämtern und Rangern zur Regulierung des Klettersports.

Sascha3982 am 24.11.20

Hallo,

ich habe nun sehr viel FÜR eine Redundanzsicherung gelesen. Gibt es denn was dagegen? Oder wieso wird es nicht gelebt?

So wie ich mich erinnern kann ist der Haken ausgerissen nicht der Fels ausgebrochen.

Gruß

Pirate am 24.11.20

@markus75

Super Idee und da wir dann alle Eintritt für das Klettergebiet zahlen und es betreut wird ist es eine "Sportstädte" die in Coronazeiten geschlossen wird wie auch die Indoorkletterhallen oder Spielplätze.
Aber hey es schafft Arbeitsplätze für Kletterpolizei die die Felsen patrullieren und Tickets sehen will und wer wird nicht gerne auf Schritt und Tritt kontrolliert.

Ne sorry aber das geht gar nicht - aus Prinzip!

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