Bismarckgrotte verschlossen!

21.12.07

Anfang Dezember hat der Forstbetrieb Schnaittenbach die Bismarckgrotte im Landkreis Sulzbach-Rosenberg verschlossen. Jetzt befinden sich sowohl am Nordeingang als auch am Südeingang, dem sog. Korkenzieher, ein engmaschiges Netz aus zentimeterdickem Stahl. Offenbar wurde damit ein ganzjähriges Betretungsverbot beabsichtigt. Dies hat nicht nur bei Höhlenforschern Unmut hervorgerufen.

Das bayerische Naturschutzgesetz sieht ein Betretungsverbot für alle Höhlen zwischen dem 01. Dezember und dem 30. April zum Schutze der Fledermäuse vor. Auf den ersten Blick hat der Forstbetrieb damit eine längst überfällige Maßnahme in die Wege geleitet, zählt die Bismarckgrotte mit einer Gesamtganglänge von über 1100 Metern doch zu den am meisten begangenen naturbelassenen Höhlen im Frankenjura. Trotzdem hagelte es aus allen Ecken Kritik an dem Vorgehen des Forstbetriebs.

Vom Forstbetrieb wurde weder der Dialog mit dem Arbeitskreis Höhle des Naturparks Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst gesucht noch erfolgte eine Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden. Ebenso außen vor blieben Experten in Sachen Fledermausschutz, die nun die Art des Verschlusses massiv kritisieren. Fledermäuse fliegen in Höhlen weite Strecken nach ihrem Gedächtnis und drohen damit beim Ausflug im Frühjahr mit dem engmaschigen Stahlnetz zu kollidieren, zumal dieses nicht fledermausgerecht gefertigt ist.

Das Gitter am Südeingang, dem sogenannten KorkenzieherDas Gitter am Südeingang, dem sogenannten Korkenzieher

Die senkrecht stehenden Gitterstäbe weisen einen Abstand von nur 11 Zentimetern auf, was für viele Fledermäuse tödlich enden kann. Ein wesentlich breiteres, dafür flacheres Gitterraster wäre nach Meinung von Fledermausexperten angebracht, um Kollisionen der Mäuse mit den Gitter zu vermeiden.

Der Arbeitskreis "Höhle" des Naturpark zeigte sich vom Vorgehen des Forstbetriebs ebenfalls befremdet. Dieter Preu, der Leiter des Arbeitskreises hofft, dass es sich bei dem Alleingang um einen Ausrutscher gehandelt hat. "Wir streben für derart stark frequentierte Höhlen wie den Bismarckschacht eine einvernehmliche Regelung mit Forst, Naturschützern, Naturschutzbehörden und den Anbietern kommerzieller Touren gleichermaßen an. Dazu kann natürlich auch ein Winterverschluß der Höhle gehören, aber es sollte nicht so ablaufen, wie es hier geschehen ist."

Der verschlossene Nordeingang der BismarckgrotteDer verschlossene Nordeingang der Bismarckgrotte

Erst im Frühjahr 2007 wurde in der Höhle eine Fledermauszählung durchgeführt. Die hatte ergeben, dass mit fast 1000 gezählten und über 5000 hochgerechneten Exemplaren der unter Naturschutz stehenden Tierart deren Population auf ein Rekordniveau angestiegen ist. Und dies, obwohl die Höhle in den vergangenen Jahren auch im Winter nicht verschlossen war.

Die Naturschutzbehörden des Landratsamtes Amberg-Sulzbach waren über den bevorstehenden Verschluss des Höhlensystems zwar informiert, jedoch nicht über die Art des Verschusses. Inzwischen wurde die vermeintlich ganzjährig ausgelegte Sperrung eine zeitlich befristete: Provisorisch angebrachte Schilder an den Eingängen weisen einzig auf eine Wintersperrung bis Ende April hin. Es bleibt zu hoffen, dass die Gitter vor dem Winterschlafende der Fledermäuse entfernt werden und nicht erst am 30. April. Denn sonst könnten viele Fledermäuse unnötige Opfer der Bürokratie werden.

[Nach Informationen des Landratsamtes Amberg Sulzbach war dieses prinzipiell vom Verschluss der Grotte informiert. Die nun am 22.02.2008 geänderte Textversion berücksichtigt diesem Umstand.]

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