Hakenbruch an der Ammerthaler Wand: was bisher bekannt ist

Bisher wurden zu Hakenbruch an der Ammerthaler Wand: was bisher bekannt ist 41 Kommentare abgegeben.

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fendrich am 13.08.20

@HaeMeS
Not true.
It’s the same in France, Spain, the UK, the US and everywhere else I’ve been to.
Where do you climb?

HaeMeS am 12.08.20

Part of the problem in Germany is the notion that (like Anfaenger2018 said) 'ein geklettertes stück Fels in den „Besitz“ einer Person übergeht'. In substantial parts of the world rock is seen as a common commodity. In those places no single person has the right to claim routes of crags for themselves. Nor have they the right to push their view of what constitutes a desired style of climbing on others (for whatever the reason may be, historic, ethical, etc.) when the general consensus is otherwise and certain area's or equipment styles are deemed outdated or dangerous. Don't fear this common ground. Generally speaking climbing communities have no trouble finding a well balanced common ground with very reasonable guidelines for bolting and equipping routes.

Also lets compare bolting practices in southern Europe to the bolting in Germany. No one in their right mind outside of German or English speaking countries will claim a project for years. Equippers in most countries name the route and are more than happy to let someone else have the pleasure of first climbing the freshly bolted route. I for one am.

For some strange and (to me) inconceivable reasons vocal German climbers tend to cling desperately to certain historical standards of equipping climbing routes. Note the word vocal in the last sentence. When asked a majority of Otto-normal-climbers at crags are not a fan of these practises. They'd rather see a more modern approach to the bolting on German soil. This might explain to some extend the migration to foreign climbing destinations by German climbers... ;-)

I'm increasingly convinced a small but vocal group of climbers is and has been hijacking the discussion the past decades by keeping the status quo as is. Bear in mind those active on fora, in IG kletterns, Pfaelzer Kletterer, etcetera do not mirror the general climbing public. There is a profound disparity between those active on the bolting and protection front and those 'simple souls' who just want to climb. I must admit I understand part of the rationale of the 'clique'. Rock is scarce in Germany, and the troubles between climbers land owners, Naturschutz, etcetera won't go away. By maintaining the status on the bolting front less people are lured outside since they deem the climbing to be too dangerous. I view this attitude as elitist. And I think it does a disservice to the German climbing community. By levelling to accessibility of climbing to a broader audience climbing can strengthen its acceptance in communities. When played right you will gain access to area's previously banned. Not the other way round like happening right now at the Foerstelstein. Keep voicing your dissent anfaeger2018 and others and confront the hardcore keepers of the faith with your demand for an alternative approach to bolting and climbing.

Good luck!

Maschol am 12.08.20

@juergenkollert: Das Zitat aus der Jahresversammlung lautat aber: "Volker Philippent fragt nach der
Kommunikation von wackelnden
Haken / durchgeschliffenen Umlenkern.
Am besten ist eine Email an
IG oder eine PN über Facebook. Es
sollte vermieden werden, Gefahrenmeldungen
über Foren im Internet
zu verbreiten."

Dass die Information an die IG Klettern gehen sollte ist klar und steht deutlich im Satz:
"Am besten ist eine Email an IG oder eine PN über Facebook."

aber der Satz:

" Es sollte vermieden werden, Gefahrenmeldungen über Foren im Internet zu verbreiten."

passt nicht zur Erklärung "Daher die Empfehlung, solche potentiellen Gefahrenmeldungen direkt an uns zu senden, weil diese an anderer Stelle, wie der aktuelle Fall zeigt, oft untergehen."

Hier wurde aktiv dazu aufgerufen, Gefahrenmeldungen nicht über Foren im Internet zu verbreiten. Wenn die Erklärung, die abgegeben wurde, die einzige ist, dann ist das sehr sehr merkwürdig.

und warum wurde mein Betrag nicht auf Euerer Homepage Öffentlich gemacht und stattdessen zuvor ein Telefonat verpflichtend gemacht?

max

anfaenger2018 am 12.08.20

Hallo,
hier die Sichtweise eines Anfängers.

Es gibt eine Interessensgruppe, welche mit geringen Risiko draußen am Fels klettern möchte. Es gibt wohl Leute die einfach genüsslich am Fels klettern möchten und nicht bei jeder zweiten Route Gefahr laufen wollen sich zu unnötigerweise zu verletzen. Klingt einleuchtend!

Das Klettern Risiken mit sich bringt, ist natürlich klar – aber wenn eine Route VERÖFFENTLICHT wird, muss ich mich als Kletterer darauf verlassen können das der Erschließer sauber gearbeitet hat und ich keinen unnötigen Risiken ausgesetzt werde! Dazu gehört meiner Meinung nach auch vermeidbare Bodenstürze so gewissenhaft wie nur möglich auszuschließen.

Förstelsteine
Probleme wie die an den Förstelsteinen sind doch abzusehen und vorprogrammiert wenn es nur eine begrenzte Anzahl an gut gesicherten Anfängerfelsen gibt. Während ich mich in einer 9+ ca. alle 100 cm in einen Haken setzen kann, entspannt projektieren, stürzen etc. kann, fällt mir das in einer 6 doch häufig schwer. Denn hier klettert doch meist der Kopf mit - denn ich weiß - wenn die Zwischensicherung welche sich schon erst 5 m über dem Boden und 3 m unter mir aushängt oder womöglich doch nicht hält, habe ich ein Problem. In der 9+ ist mir das natürlich egal - dort kann man schon mal eine auslassen oder die 100 cm darunter hält. (Eine übertriebene Darstellung – ich weiß) Ich denke das große Abstände - manchmal auch gefährliche - meist entstehen, wenn weit unter dem eigenen Kletterniveau erschlossen wird ohne an diejenigen zu denken welche in dieser Route an ihrem persönlichen Limit klettern werden. Solche Probleme hatte ich für meinen Teil (wie auch schon in dem englischen Kommentar erwähnt) selten bis gar nicht außerhalb Deutschlands.

Unter dem 8 Grad im FJ am Limit zu klettern, projektieren, häufige Stürze in Kauf zu nehmen - fand ich eher selten. Mein Eindruck war meist: Onsight oder Sprunggelenk (Übertrieben dargestellt). Grenzen verschieben am körperlichen Limit - Fehlanzeige. Die Grenzen verschieben sich in den unteren Schwierigkeitsgraden nur im Kopf. Ich denke man wird mit der Zeit einfach abgestumpft und nimmt das häufig potenzielle Bodensturzrisiko einfach mangels alternative oder Leichtsinn in Kauf. Soweit meine Wahrnehmung - welche natürlich subjektiv ist.

Das es nur so wenige Unfälle gibt, ist mir wirklich ein Rätsel.

Worüber ich mir häufig Gedanken mache:
Das vor einiger Zeit, als die Löcher noch per Hand gebohrt wurden, die Haken etwas sparsamer verwendet wurden – ist klar. Ich bin auch froh um jeden Haken der in mühsamer Arbeit gesetzt wird. Mir ist auch klar das Leute das in Ihrer Freizeit und durch viel Eigenkapital ermöglichen. Das in einer Route mehr als nur ein paar Löcher bohren steckt, ist mir auch klar und ich habe großen Respekt vor der Arbeit der einzelnen.
Aber:
Das ein geklettertes stück Fels in den „Besitz“ einer Person übergeht, verstehe ich nicht. Warum kann mir eine Person Ihren Begehungsstil der Felslinie auferzwingen in dem sie zusätzliche solide Fixpunkte verweigert oder gar entfernt? Nur weil ein paar Puristen meinen ich müsse dasselbe Risiko eingehen wie sie? Nur weil der Teil der Route für diejenigen welchen leicht zu klettern ist, muss der Teil nicht gesichert werden? So manches Mal frage ich mich – scheinbar anders als der Erschließer - was hier und da passiert, wenn doch mal ein Tritt oder Griff ausbricht. Häufig frage mich auch ob dieser oder jener Haken an dieser oder jener Stelle auch schon mal „angestürzt“ wurde.

Ich denke hier könnte es viele Lösungen geben – auch welche für Leute die keinen Bock haben ihr Sprunggelenk oder Kniegelenk für eine 6+ zu riskieren! So könnten sich doch die zusätzlichen Haken von denen des Erstbegehers unterscheiden oder die klassische Variante in den Führern beschrieben werden. So kann jeder für sich entscheiden mit welchem Risiko er klettert und welche Sicherungspunkte er nutzt. Aber dem steht leider das „Besitzen“ der Routen im weg.

Meiner Meinung nach sollte dieses ewige Besitzrecht an einer Linie welche eingebohrt, erstbegangen, und VERÖFFENTLICHT wird auch eine Verantwortung mit sich bringen - nämlich Wiederholer nicht (unnötig) in Gefahr zu bringen.

Eine Verkehrswegsicherungspflicht würde die Routen wohl drastisch reduzieren aber somit auch Platz Re-Erschließungen alter Wege, welche mangels ordentlicher Sicherung eh nicht begangen werden schaffen.

Toprope
Zum Thema Toproperedundanz im FJ. Bei 15 - 25m Routen in welchen häufig ein kleiner meist ungefährlicher Runout zum Umlenkhaken zu klettern ist bringt den meisten das zusätzliche klippen der letzten Zwischensicherung um ein redundantes Toprope zu installieren nicht immer zusätzliche Sicherheit. Je nach Entfernung von letzter Zwischensicherung zum Umlenkhaken klettert hier im unteren Teil der Routen ein (Unnötiges und Vermeidbares) Restrisiko mit.

Trotz dieser Kritik möchte mich bei allen bedanken die das Klettern im FJ ermöglichen.

S3.K1 am 12.08.20

Wieso nicht? Der Umbau zum themenbasierten Freizeitpark hätte doch auch einige positive Effekte.

kadett am 12.08.20

Achtung! Zum Thema Verkehrssicherungspflicht empfehle ich "Leitfaden Recht zum Klettern in der Natur" des DAV.
Wenn wir jetzt eine Verkehrssicherungspflicht verlangen, bekommen wir unzählige Zivilklagen bei Unfällen. Daraus ergibt sich im Anschluss, dass keiner mehr eine Route einbohren wird.

Frankenjura.com am 12.08.20

Zum Beitrag von Jürgen Kollert: Es ist immer schwierig, wenn der Moderator in eine Diskussion mit Argumenten hineingezogen wird, die zum einen weit hergeholt sind und zum anderen sachlich nicht richtig sind. Da diese Diskussion nicht durch weitere Nebenkriegsschauplätze verwässert werden soll, werden wir zu diesen diese dennoch wichtigen Aspekte an anderer Stelle und zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert und mit Details untermauert. Vorab einige Bemerkungen zur Relativierung und Erklärung.

- Sowohl der Betrag zum Schwalbenstein als auch der zum Bärleinhuter geschah im Einvernehmen mit den Sanierern, im Falle des Schwalbensteins erhielt der Sanierer den Artikel vorab zur Freigabe.
- Es gab bei beiden Veröffentlichungen aus unserer Sicht gesellschaftlich wichtige Diskussionen zum Thema "Verbesserung der Absicherung", aber keinen Shitstorm.
- Es ist richtig, dass die IG-Klettern im Gegensatz zu fast allen Organisationen rund um den fränkischen Klettersport kaum Beachtung in der Berichterstattung von Frankenjura.com findet, weil der Verein den freien Austausch von Informationen und damit auch die Pressefreiheit negativ beeinflusst.

Weitere Ausführungen zu diesen Themen und die Möglichkeit, diese zu diskutieren, folgen später. Achtung: Weitere Kommentare, die in Bezug zu diesen nur angerissenen Themen stehen, werden in dieser Diskussion nicht veröffentlicht.

Rentner am 12.08.20

Volle Zustimmung zu den Stellungnahmen von Jürgen Kollert, Kletterwolf, Sächle, Klemens…! Ich finde es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Einige diejenigen in Haftung nehmen wollen, die den Klettersport in Franken – in der Breite und auf dem doch sehr hohen Sicherheitsniveau - erst ermöglichen.

Sollte sich das durchsetzen, wird sich kaum noch jemand finden, der freiwillig Routen saniert oder neu einbohrt.

Die hier in einigen Kommentaren zum Ausdruck gebrachte Vollkaskomentalität macht das Klettern auch nicht sicherer, sie ist vielmehr darauf angelegt, im Falle eines Falles einen Schuldigen präsentieren zu können. Vielleicht wäre an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Selbstverantwortung angebracht, das ist der Sicherheit weit mehr zuträglich!

Nichtsdestotrotz halte ich Redundanzen an Umlenkern für sinnvoll, da diese zwangsläufig und über längere Zeiträume belastet werden. Insofern meinerseits großer Daumen nach oben für Jörg und Uwe.

Ich habe aber auch Verständnis dafür, wenn diese Umstellung ein Prozess ist, der nicht von heute auf morgen passiert. Wer an der Stelle mit juristischen Dimensionen spielt, hat aus meiner Sicht nicht verstanden, dass Klettern vor allem Freiheit bedeutet.

JürgenKollert am 11.08.20

Es ist für mich als langjähriger Vorstand der IG Klettern Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald e. V. nicht nachvollziehbar, wie aufgrund einer Anhäufung aus dem Zusammenhang herausgenommener Zitate aus dem Protokoll einer JHV aus dem Jahr 2017 eine Verantwortung der IG für den aktuellen Unfall abgeleitet werden kann.

Hintergrund der Frage von Volker Philippent damals war der Umstand, dass er sicherstellen wollte, dass Gefahrenmeldungen schnellst möglich nachgegangen wird. Daher die Empfehlung, solche potentiellen Gefahrenmeldungen direkt an uns zu senden, weil diese an anderer Stelle, wie der aktuelle Fall zeigt, oft untergehen. Die IG bekommt fast täglich Meldungen über unsichere Haken oder andere Gefahrenquellen und diese werden, sofern die Meldung bei uns eingeht, auch zeitnah abgearbeitet. Einige Beispiele aus jüngster Vergangenheit sind ein Umlenkhaken an der Hexenküche, der „herausgefallene“ Haken am DTC, Wackelhaken an der Spießer Wand und am Wiesentfels um nur einige zu nennen. Weitere Sanierungen von unsicheren Haken, die uns gemeldet wurden laufen gerade. Meldungen in anderen Foren machen sicher Sinn, führen aber wie der aktuelle Fall sehr deutlich zeigt, nicht unbedingt zu einer Beseitigung der Gefahrenquelle. Deshalb diese Antwort auf die Frage von Volker Philippent.
Die Arbeit der IG wird ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt und es gehört viel Einsatzbereitschaft dazu, wenn wie früher häufiger vorgekommen, Sven König bei mir angerufen hat und um den Tausch eines vermeintlich unsicheren Haken gebeten hat, was immer sofort erledigt wurde. Ich habe für solche Aktionen nicht nur einmal alles stehen und liegen lassen und musste mich dafür aber noch am Fels dumm anreden lassen, weil der Umlenkhaken den ich austauschen sollte, gerade durch ein Toprope belegt war.
Es gibt sehr viele aktive und sanierungswillige IG-Mitglieder. Leider verlieren diese häufig die Lust am Arbeiten. Die Sanierung des Bärleinhuters und des Schwalbensteins wurde komplett mit Material der IG durchgeführt. In beiden Fällen haben die Sanierer FJ.com gebeten die Sache nicht an die große Glocke zu hängen. Die Folge der Veröffentlichungen war, dass sich beide einem wahren Shitstorm der Community ausgesetzt sahen und sich für ihr Tun auch noch rechtfertigen mussten. Beide haben verlauten lassen, dass sie zukünftige Sanierungen nicht mehr weitergeben werden. Auch anderen Sanierern ist die Lust auf Veröffentlichung vergangen, da sie feststellen mussten, dass Meldungen auf FJ.com gelöscht wurden, nur weil diese einen Hinweis auf die IG enthielten. Der weitaus größte Teil aller Sanierungsmaßnahmen wird, wie unser hoher Hakenverbrauch zeigt, nach wie vor von der IG finanziert und durchgeführt. Und wir werden das auch weiter machen. Ich denke aber auch, dass es zumutbar ist, dass die Leute, die diesen Job erledigen, direkt informiert werden. Es ist definitiv zu viel verlangt, wenn von uns gefordert wird, dass wir auch noch das Internet nach möglichen Gefahrenquellen durchforsten sollen.
Zum Informationsfluss:
Der angesprochene Fall der Frankenwohnanlage war für uns eine sehr bittere Pille. Wir haben mit den Grundstücksbesitzern damals langwierige Gespräche geführt, aber leider keine Einigung erzielen können. In der Regel informieren wir über laufende Verfahren nicht, weil es wenig Sinn macht etwas zu veröffentlichen ohne eine Ergebnis vorweisen zu können. Das aktuelle Beispiel der Östlichen Förstelsteinkette zeigt, dass auch Veröffentlichungen über Probleme anderer Art am Fels offensichtlich wenig beachtet werden. Auf FJ.com findet sich unter der Rubrik Rock-Events ein Eintrag vom 4.3.20 zu den Problemen dort. Genützt hat es gar nichts, trotz Pandemie war dort mehr los als in den Jahren zuvor. Über das Ergebnis der Behördengespräche haben wir sofort nach Erhalt der Stellungnahme der zuständigen Behörde sofort allgemein informiert.
Die Tatsache, dass wir die Ammerthaler Wand nicht nur komplett sanieren wollen und vorher mit der DAV-Sicherheitsforschung Belastungstests durchführen wollen, als Aktionismus zu bezeichnen zeugt von wenig Verständnis für die eigentlichen Ursachen dieses bedauernswerten Unfalls.

An dieser Stelle den beiden Verunfallten beste Genesung!

p.s. Ich habe im Laufe meines Klettererlebens mit Sicherheit einige 1000 Haken gesetzt, überwiegend nur zu Sanierungszwecken. Der erste Bühlerhaken den ich 1976 gesetzt habe steckt am Westwandband am Zehnerstein. Es war ein zusätzlicher Zwischenhaken nach einem tödlichen Unfall durch Ausbruch einer Sanduhr. Der Haken ist immer noch bombenfest, aber leider durch intensives Topropen stark durchgeschliffen. Der Ring daneben weißt auch schon erhebliche Gebrauchspuren auf und muss wohl auch bald ausgetauscht werden. Ob ich das noch machen werde, überlege ich mir angesichts der aktuellen Diskussion zweimal……



Es ist für mich als langjähriger Vorstand der IG Klettern Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald e. V. nicht nachvollziehbar, wie aufgrund einer Anhäufung aus dem Zusammenhang herausgenommener Zitate aus dem Protokoll einer JHV aus dem Jahr 2017 eine Verantwortung der IG für den aktuellen Unfall abgeleitet werden kann.

Hintergrund der Frage von Volker Philippent damals war der Umstand, dass er sicherstellen wollte, dass Gefahrenmeldungen schnellst möglich nachgegangen wird. Daher die Empfehlung, solche potentiellen Gefahrenmeldungen direkt an uns zu senden, weil diese an anderer Stelle, wie der aktuelle Fall zeigt, oft untergehen. Die IG bekommt fast täglich Meldungen über unsichere Haken oder andere Gefahrenquellen und diese werden, sofern die Meldung bei uns eingeht, auch zeitnah abgearbeitet. Einige Beispiele aus jüngster Vergangenheit sind ein Umlenkhaken an der Hexenküche, der „herausgefallene“ Haken am DTC, Wackelhaken an der Spießer Wand und am Wiesentfels um nur einige zu nennen. Weitere Sanierungen von unsicheren Haken, die uns gemeldet wurden laufen gerade. Meldungen in anderen Foren machen sicher Sinn, führen aber wie der aktuelle Fall sehr deutlich zeigt, nicht unbedingt zu einer Beseitigung der Gefahrenquelle. Deshalb diese Antwort auf die Frage von Volker Philippent.
Die Arbeit der IG wird ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt und es gehört viel Einsatzbereitschaft dazu, wenn wie früher häufiger vorgekommen, Sven König bei mir angerufen hat und um den Tausch eines vermeintlich unsicheren Haken gebeten hat, was immer sofort erledigt wurde. Ich habe für solche Aktionen nicht nur einmal alles stehen und liegen lassen und musste mich dafür aber noch am Fels dumm anreden lassen, weil der Umlenkhaken den ich austauschen sollte, gerade durch ein Toprope belegt war.
Es gibt sehr viele aktive und sanierungswillige IG-Mitglieder. Leider verlieren diese häufig die Lust am Arbeiten. Die Sanierung des Bärleinhuters und des Schwalbensteins wurde komplett mit Material der IG durchgeführt. In beiden Fällen haben die Sanierer FJ.com gebeten die Sache nicht an die große Glocke zu hängen. Die Folge der Veröffentlichungen war, dass sich beide einem wahren Shitstorm der Community ausgesetzt sahen und sich für ihr Tun auch noch rechtfertigen mussten. Beide haben verlauten lassen, dass sie zukünftige Sanierungen nicht mehr weitergeben werden. Auch anderen Sanierern ist die Lust auf Veröffentlichung vergangen, da sie feststellen mussten, dass Meldungen auf FJ.com gelöscht wurden, nur weil diese einen Hinweis auf die IG enthielten. Der weitaus größte Teil aller Sanierungsmaßnahmen wird, wie unser hoher Hakenverbrauch zeigt, nach wie vor von der IG finanziert und durchgeführt. Und wir werden das auch weiter machen. Ich denke aber auch, dass es zumutbar ist, dass die Leute, die diesen Job erledigen, direkt informiert werden. Es ist definitiv zu viel verlangt, wenn von uns gefordert wird, dass wir auch noch das Internet nach möglichen Gefahrenquellen durchforsten sollen.
Zum Informationsfluss:
Der angesprochene Fall der Frankenwohnanlage war für uns eine sehr bittere Pille. Wir haben mit den Grundstücksbesitzern damals langwierige Gespräche geführt, aber leider keine Einigung erzielen können. In der Regel informieren wir über laufende Verfahren nicht, weil es wenig Sinn macht etwas zu veröffentlichen ohne eine Ergebnis vorweisen zu können. Das aktuelle Beispiel der Östlichen Förstelsteinkette zeigt, dass auch Veröffentlichungen über Probleme anderer Art am Fels offensichtlich wenig beachtet werden. Auf FJ.com findet sich unter der Rubrik Rock-Events ein Eintrag vom 4.3.20 zu den Problemen dort. Genützt hat es gar nichts, trotz Pandemie war dort mehr los als in den Jahren zuvor. Über das Ergebnis der Behördengespräche haben wir sofort nach Erhalt der Stellungnahme der zuständigen Behörde sofort allgemein informiert.
Die Tatsache, dass wir die Ammerthaler Wand nicht nur komplett sanieren wollen und vorher mit der DAV-Sicherheitsforschung Belastungstests durchführen wollen, als Aktionismus zu bezeichnen zeugt von wenig Verständnis für die eigentlichen Ursachen dieses bedauernswerten Unfalls.

An dieser Stelle den beiden Verunfallten beste Genesung!

p.s. Ich habe im Laufe meines Klettererlebens mit Sicherheit einige 1000 Haken gesetzt, überwiegend nur zu Sanierungszwecken. Der erste Bühlerhaken den ich 1976 gesetzt habe steckt am Westwandband am Zehnerstein. Es war ein zusätzlicher Zwischenhaken nach einem tödlichen Unfall durch Ausbruch einer Sanduhr. Der Haken ist immer noch bombenfest, aber leider durch intensives Topropen stark durchgeschliffen. Der Ring daneben weißt auch schon erhebliche Gebrauchspuren auf und muss wohl auch bald ausgetauscht werden. Ob ich das noch machen werde, überlege ich mir angesichts der aktuellen Diskussion zweimal……




Dr. Jürgen Kollert
1.Vorstand der IG Klettern Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischer Wald




Kletterwolf am 11.08.20

Ich wollt ja eigentlich nix schreiben, aber jetzt muss ich auch nochmal :-)
Folgende Punkte sollten glaube ich bedacht werden:

1. Anspruch - gibt es nicht
2. 100% Sicherheit - gibt es nicht
3. Statistik

Zu Punkt 1:
Generell sollten wir Kletterer froh sein, dass es Kletterer gibt, die auch einbohren und sanieren. Keine Frage - es gibt fragwürdig eingerichtete Routen.Ich bin der letzte der sagt, eine Redundanz oder kleinere Hakenabstände sind falsch. Nein - das wäre super….
ABER wir haben doch kein Recht darauf!
Sowohl das Einrichten, wie auch das Klettern - geschieht in Eigenverantwortung.(ist jedenfalls mein Wissensstand).Und wenn dies nicht so wäre - sind vermutlich bald 90% aller Haken abgeflext!
Was wenn man ehrlich ist, ist das doch auch verständlich oder?

Zu Punkt 2:
Auch wenn wir alle 50 cm einen Haken setzen und drei Umlenkungen einrichten.Es kann und wird immer mal was passieren. Ist nicht schön, tragisch, aber wir werden das nicht verhindern können. Unfälle passieren leider.

Zu Punkt 3:
Im Vergleich zu den anderen Unfallursachen beim Klettern, ist ein Hakenausbruch oder Bruch, (glücklicherweise) wirklich sehr sehr selten, zumindest im FJ.Und ja - JEDER Unfall ist einer zu viel - ABER ... siehe Punkt 1.

Und an all diejenigen die über die IG schimpfen. Ich bin nicht bei der IG, aber wenn es dort so schlimm zugeht, werdet doch einfach Mitglied und regt entsprechende Änderungen aktiv mit an?

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