Ein Ausflug ins Grüne trotz Corona?

Frankenjura.com - 18.03.20

Die drastischen Maßnahmen der Politik zur Eindämmung des Corona-Virus haben auch im Frankenjura starke Einschränkungen zur Folge. Wir sagen, was aktuell verboten ist, aber auch, was unter Wahrung der „social distancing“-Etikette derzeit noch unternommen werden kann.

Nach der Schließung von Schulen, Kindergärten und Kitas in der letzten Woche hat das Bundesland Bayern im Kampf gegen die grassierende Corona-Pandemie am Montag den Katastrophenfall für das ganze Land ausgerufen. Dies hat die Einschränkung des öffentlichen Lebens weiter verschärft. Schon seit gestern haben alle Freizeiteinrichtungen wie Kletter- und Boulderhallen, aber auch Schwimmbäder, Saunen, Thermen, Kinos, Museen, Stadtführungen, Sport- und Spielplätze geschlossen. Ab heute müssen Ladengeschäfte des Einzelhandels den Betrieb einstellen, die nicht zur Grundversorgung zählen. Davon sind unter anderem auch Sportgeschäfte betroffen. Gaststätten dürfen nur noch zwischen 8:00 Uhr und 15:00 Uhr geöffnet sein.

Das ist aber nicht alles. Am Dienstag hat sich die bayerische Staatsregierung auf weitere drastische Mittel im Kampf gegen die Pandemie verständigt, die darauf zielen, das öffentliche Leben einzuschränken, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. So wurden Busreisen verboten und Übernachtungsplätze dürfen nur noch Geschäftsreisenden oder Handwerkern, aber nicht mehr Touristen angeboten werden. Damit ist der Übernachtungstourismus im gesamten Frankenjura vorerst ausgesetzt.

Die meisten Maßnahmen gelten bis zum 19. April. Doch ob bis dahin das Corona-Virus gebändigt ist und dann wieder Normalität in die Gesellschaft einzieht, ist fraglich. Um zeitlichen Rahmen abzuschätzen, hilft möglicherweise eine Studie der ´Deutschen Bank Research´. Sie kommt nach einem Artikel der FAZ zu dem Schluss, dass im Falle einer berechneten Ausbreitung des Virus am 14. Mai keine Intensivbetten und ab Anfang Juni keine Krankenhausbetten mehr frei sind.

Im Falle einer Verlangsamung der Virusausbreitung wäre dieser Tag im Idealfall erst Wochen oder Monate später erreicht, was genau das Ziel der die Öffentlichkeit einschränkenden Maßnahmen ist. Es ist schwer vorstellbar, dass die Maßnahmen reduziert werden, bevor die Fallzahlen wieder sinken. Falls also nicht höhere Temperaturen die Ausbreitung von Corona verlangsamen oder auf die Schnelle ein Medikament gegen das Virus gefunden wird, muss sich unser Landstrich mit der Situation abfinden und Nischen entwickeln, in denen bei Wahrung der hygienischen Vorgaben und Empfehlungen noch ein bisschen Lebensqualität und Fitness erhalten bleibt.

Zum heutigen Tag besteht keine Ausgangssperre und es ist nach heutigem Stand keine geplant, so dass Tagesausflüge in den Frankenjura, beispielsweise zum Wandern, zum Besuchen von Aussichtspunkten oder zum Bewundern von Frühjahrsblumen nicht verboten sind. Im Gegenteil, Deutschlands bekanntester Virologe Christian Drosten empfiehlt sogar den Aufenthalt im Freien und wiegelt in Sachen Infektionsrisiko ab: „Es ist nicht so, dass man sich beim Spazieren gehen, wenn man sich begegnet, infiziert.“

In der Talkshow Maischberger am vergangenen Sonntag lehnt der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg eine Ausgangssperre ab und sagt: "Die ganze Republik jetzt in die Bude einzusperren, dafür gibt es keine medizinische Indikation" und warnt vor psychologischen und wirtschaftlichen Folgen. Eine Ansteckung erfolge (überwiegend) in geschlossenen Räumen. Auch Markus Söder wird vom Münchner Merkur bei einem Besuch eines Logistik-Zentrums in der Nähe von München mit den Worten zitiert: „Ich verstehe, dass die Leute es rausdrängt bei so einem Wetter“, aber auch mit der Mahnung: „Bitte verantwortlich damit umgehen.“ Weiter zitiert das Blatt den Ministerpräsidenten sinngemäß: „Man könne auch alleine Sport machen. Aber es solle eben keine größeren Gruppenansammlungen geben.“

Daraus geht klar hervor, dass „social distancing“ jetzt oberste Priorität hat und Ausflüge nur dann moralisch vertretbar sind, wenn der nötige Abstand von ein bis zwei Metern zu anderen eingehalten werden kann, wie es auch vom Robert-Koch-Institut vorgeschlagen wurde.

Das gelingt nur, indem man mit dem eigenen Auto oder dem Zug, mit dem Fahrrad oder ganz zu Fuß unterwegs ist und dabei nur denen nahekommt, die sich ohnehin im familiären Kreis befinden. Indem man nicht Top-Wanderwege oder stark frequentierte Parks ansteuert, an Aussichtspunkten nur dann den Blick in die Ferne schweifen lässt, wenn er nicht proppenvoll ist und im Anschluss sich nicht in die Wirtsstube, sondern nach draußen mit Jacke in den Biergarten setzt oder sich ein Lunchpaket beim Wirt seines Vertrauens zum Mitnehmen ordert, damit auch dieser die bewegte Zeit finanziell übersteht.

Apropos: Virologe Christian Drosten rät, nur Flaschenbier zu ordern und kein frisch gezapftes Bier, da die Infektionsgefahr durch den Ausschank deutlich größer wäre. Nach den Fallzahlen des bayerischen Gesundheitsministeriums haben sich in den Landkreisen Lichtenfels, Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Nürnberger Land und Amberg samt seiner kreisfreien Städte, die den Frankenjura abbilden oder streifen, insgesamt 49 Personen (Stand: 17.03.20 um 12:00 Uhr), bei einer Einwohnerzahl von rund 900.000, so dass die Ansteckungsgefahr bei etwa einem Infizierten pro 20.000 Einwohner noch gering ist. Das wird sich aber in den nächsten Wochen noch ändern und die Fallzahlen auch hier steigen. Ob dann immer noch ein Ausflug ins Grüne erlaubt ist, kann heute noch nicht abgesehen werden.




Kommentare

Uwe l am 19.03.20

Ja das selbe heute im Pegnitztal. Die Leute verwechseln das wohl mit Ferien momentan

corsair am 18.03.20

Am Sonntag bin ich durchs Obere Wiesenttal gefahren.
Am Steinfelder Turm 8 Autos. Am Steinfelder Wändchen 11 Autos !!!!!!!! Am Treunitzer Klettergarten 23 Autos !!!!!!!
Nummernschilder aus ganz Franken, hauptsächlich Mittelfranken.
Wen jedes Auto mit 3 Leuten besetzt ist funktioniert des mit Abstandhalten nie und nimmer, daher gehe ich davon aus das die Felsen aufgrund der Unvernunft demnächst gesperrt werden.
Heute ein ähnliches Bild. Treunitzer Klettergarten 11 Autos und der Campingplatz Freienfels mit Campern belegt.

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