Nach Routenrückbau: Sperrung der Förstelsteinkette aufgehoben

Frankenjura.com - 08.10.21

Von Mitte Juli des Jahres 2020 bis einschließlich September 2021 war die Förstelsteinkette mit einer Sperrung im Rahmen des hiesigen Kletterkonzeptes belegt. Seit Anfang Oktober darf an den Felsen nahe des Gößweinsteiner Ortsteils Stadelhofen wieder geklettert werden, gleichzeitig wurden viele der dortigen gut gesicherten Routen abgebaut und weitere Maßnahmen kommuniziert. Wir informieren über die Situation und die Hintergründe.

Zu stark genutzt und deshalb über 14 Monate gesperrt: Die Förstelsteinkette bei GößweinsteinZu stark genutzt und deshalb über 14 Monate gesperrt: Die Förstelsteinkette bei Gößweinstein

Von den 43 vorhandenen Kletterrouten des ehemaligen Zone-Drei-Felsens wurden 19 Routen entfernt und ganze Bereiche in Zone 1 gesetzt, so dass jetzt noch 24 Routen bekletterbar sind. Unter anderem wurden die kurzen Kinderrouten sowie die Routen am Türmchen im Sektor Förstelsteinkette 01 - Linker Wandteil komplett entfernt. Die Entfernung der Haken geschah auf Initiative der Regierung von Oberfranken, die mit dieser Maßnahme den Besucherandrang regulieren will. Die Klettervereine willigten zähneknirschend ein.

Des Weiteren wurden die noch bekletterbaren Bereiche der Zone 2 zugeordnet, damit keine weiteren Routen mehr entstehen können. Und ein Schild am Wandfuß beschreibt jetzt in einem gepflegten „Sie“ die neuen Benimmregeln an der Wand: „Verhalten Sie sich ruhig und naturverträglich, achten Sie auf korrektes Parken, halten Sie den Ort frei von Müll und Fäkalien, beschädigen Sie keine Bäume oder Säumlinge, unterlassen Sie das Errichten von Bauten, Slacklines und Höhlen.“

Diese Beschilderung ziert jetzt die FörstelsteinketteDiese Beschilderung ziert jetzt die Förstelsteinkette

Ebenso wird auf dem Schild appelliert, die Besucherzahl „so niedrig wie möglich zu halten“. Denn die Probleme entstünden aufgrund des starken Besucherandranges, wie im Prolog des Schildes - neben individuellem Fehlverhalten - als Hauptursache für den Kollaps aufgeführt wird.

Der starke Besucherandrang muss aber im Kontext mit der Gesamtsituation der Felsenwelt des Nördlichen Frankenjuras gesehen werden. Denn es gibt bei einem Felspotential von annähernd 1000 Kletterspots nur eine Handvoll Felsen, die für Anfänger zum Vorsteigen geeignet sind, was per se einen hohen Druck auf diese wenigen Felsen bedingt.

Umgekehrt gibt es eine Vielzahl an Felsen, die aufgrund schlechter Absicherung von den allermeisten Kletterern gemieden werden, deshalb mehr und mehr verwachsen und dadurch auch von einer Sperrung bedroht sind. Ein Beispiel dafür ist die Druidenzinne nahe des Druidenhains bei Wohlmannsgesees. Dieser schlecht abgesicherte und zudem geheim gehaltene Fels wurde aufgrund starker Verwachsungen im Jahr 2020 im Rahmen des Kletterkonzeptes mit einem Kletterverbot belegt.

Verwachsen und deshalb gesperrt: Die Druidenzinne bei WohlmannsgeseesVerwachsen und deshalb gesperrt: Die Druidenzinne bei Wohlmannsgesees

Eine zusätzliche Absicherung dieser Felsen wurde von federführenden Akteuren jahrzehntelang vermieden, auch mit Verweis darauf, man wolle nicht noch mehr Hallenkletterer anlocken. Und bis zu einem tödlichen Kletterunfall im Jahr 2016 in der Route Sonnenkönig an der Maximilianswand war es in Sanierungskreisen verpönt, die als unzuverlässig geltenden Sanduhr-Zwischensicherungen, die in leichten Routen vor dem Zeitalter der Bohrhaken gern zur notdürftigen Absicherung verwendet wurden, durch zuverlässige Klebehaken zu ersetzen.

Ob der Routenrückbau an der Förstelsteinkette eine geeignete Maßnahme ist, die Besucherzahl wirkungsvoll zu reduzieren, muss sich in der kommenden Sommersaison erst zeigen. Eine konkrete Zahl zur Orientierung der dort anwesenden Kletterer, wie viele Personen gleichzeitig an der Wand akzeptabel sind, um den Belangen der Waldwirtschaft gerecht zu werden, wurde nicht kommuniziert. Bereits im Dezember 2019 hatte der Waldbesitzer gegenüber Frankenjura.com im Rahmen eines ersten Vermittlungsversuchs sich nicht auf eine solche Zahl festlegen wollen.



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Kommentare

Beeblebrox am 11.10.21

Meine Rede, seit Jahren: Die vielen brachliegenden Felsen ordentlich sanieren, dann verteilt sich die Meute auch besser.

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