Der Campingplatz Kormershof ist von der Schließung bedroht - Offener Brief an den Gemeinderat in Gößweinstein

apu80 - 10.08.21

Der Erlanger Florian Schild-Vonhausen sieht den Zeltplatz Kormershof von einer Schließung bedroht und wendet sich in einem offenen Brief an den Gemeinderat des Marktes Gößweinstein und appelliert darin, diesem naturnahen Übernachtungsplatz durch eine faire Gestaltung seiner Betriebsbedingungen das Überleben zu sichern.

Offener Brief an den Gemeinderat Gößweinstein

Betreff:
Drohende Schließung des Campingplatzes „Kormershof“ in Allersdorf

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Florian Schild-Vonhausen und ich lebe mit meiner Familie im Erlanger Osten. Geboren und aufgewachsen in Erlangen, bin ich mit der Fränkischen Schweiz als zweite Heimat groß geworden. Als Kind verbrachte ich viel Zeit damit, mit meinen Eltern durch die Fränkische zu wandern, später ging ich selbstständig mit Freunden zum Klettern an den einzigartigen Felsen der Fränkischen.

Das tue ich bis heute und verbringe inzwischen mit meinen eigenen Kindern viele Wochenenden und Ferientage in der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. Ein zentraler Anlaufpunkt ist dabei seit Jahren der Campingplatz „Kormershof“ in Allersdorf. Eine naturnahe, ursprüngliche Zeltwiese, die für uns und viele andere Familien ein kleines Paradies darstellt. Bei unserem letzten Aufenthalt zu Beginn der Sommerferien erfuhren wir, dass der Kormershof konkret von der Schließung bedroht ist.

Die Gründe dafür dürften Ihnen bekannt sein: Einige Nachbarn überwachen den Campingplatz mit Drohnen und erstatten Anzeige gegen die Familie Lang, sobald sich eine Gelegenheit dazu ergibt. Dies führt für die Betreiber des Kormershof wirtschaftlich und auch emotional zu unhaltbaren Zuständen.

Eine Schließung des Kormershofes würde mich persönlich sehr betroffen und wütend machen. Aber auch sachlich betrachtet wäre es eine Katastrophe für den nachhaltigen Tourismus in der Region.

Seit Jahren nimmt die Zahl der Natursportler und Erholungssuchenden zu, die in den Frankenjura strömen. Der Kormershof und einige andere Campingplätze leisten einen unschätzbaren Beitrag, indem sie die Besucher kanalisieren und günstige, naturnahe Unterkunftsmöglichkeiten bieten. Werden diese Campingplätze/Zeltwiesen (wie z.B. die Zeltwiese in Morschreuth) geschlossen, werden bereits bestehende Probleme in der Region weiter verschärft (Wildes Camping mit den damit verbundenen Folgen). Diese Probleme werden sich nicht durch Verbote, Felssperrungen oder den Bau neuer Hotelanlagen auf der grünen Wiese lösen lassen. Ein Großteil der Kletterer, Wanderer, Mountainbiker und Naturfreunde möchte so naturnah campen wie möglich. Wenn die Verantwortlichen im Frankenjura ein Interesse daran haben, einen nachhaltigen Tourismus zu fördern, dann müssen Plätze wie der Kormershof erhalten werden.

An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, dass es sich bei den Gästen des Kormershofes keineswegs um randalierendes Partyvolk handelt, sondern in erster Linie um Familien mit jungen Kindern, Kletterer, Wanderer und Jugendgruppen, die erlebnispädagogische Angebote durchführen. Auf dem Platz herrscht ein freundliches, respektvolles Miteinander. Das habe ich selbst auf einigen anderen, parzellierten und von Wohnwägen belegten Campingplätzen schon ganz anders erlebt.

Würde die Familie Lang dazu gezwungen, ihren Campingplatz zu schließen, hätte das auch Symbolwirkung für den Tourismus im ganzen Frankenjura. Letztendlich sind die Bedürfnisse Einzelner mehr wert als das große Ganze. Betreiber von Zeltwiesen werden mit moralisch fragwürdigen Methoden zermürbt, ihre Arbeit und ihr Lebenswerk mit Füßen getreten. Die Verantwortlichen in den Behörden haben nicht den Mut, sich geschlossen hinter die Betreiber eines so einzigartigen Platzes zu stellen. Insgesamt betrachtet eine schlechte Prognose für den bereits bestehenden oder zukünftigen nachhaltigen Tourismus im Frankenjura.

Deshalb appelliere ich an die Verantwortlichen im Gemeinderat Gößweinstein:

Haben Sie den Mut und gestalten die Auflagen für die Betreiber des Kormershofes so, dass der Campingplatz weiter bestehen und sinnvoll bewirtschaftet werden kann. Denken Sie längerfristig, anstatt sich im Klein-Klein zu verlieren und den Bedürfnissen Einzelner nachzugeben. Verhindern Sie eine Schließung dieses wunderbaren Campingplatzes. Es wäre ein großer Verlust für die Fränkische Schweiz.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Schild-Vonhausen




Kommentare

apu80 am 19.08.21 (bearbeitet am 20.08.21)

Moin Moin!

Ich habe meine Meinung zu dem Thema geäußert. Da ich kein Freund von endlosen online Diskussionen bin werde ich es auch dabei belassen.

Der Familie Lang wünsche ich alles Gute & ich würde mich freuen, wenn ich auch in den kommenden Jahren mit meiner Familie auf den Kormershof kommen könnte.

hunter3006 am 18.08.21 (bearbeitet am 19.08.21)

@apu80

Ich denke es ist ein Unterschied ob ich zum arbeiten fahren muss oder nur zum Vergnügen die Umwelt belaste. Aber wie schon geschrieben muss jeder selbst entscheiden was er dem Planeten zumutet.

Was den Pendlerverkehr anbelangt wurde auch hier in der Vergangenheit viel von der Politik versäumt eine Infrastruktur zu schaffen, die auch den Städtern eine saubere Luft und Lebensqualität garantiert. Ich hoffe sehr, dass hier bald ein Umdenken stattfindet.

Was den Campingplatz angeht liegen Sie mit Ihrer Einschätzung völlig falsch. Es geht und ging nie darum den Campingplatz zu schließen. Die von der Baubehörde zugelassene und übrigens auch von der Familie Lang selbst so beantragten Genehmigung trägt allen Seiten Rechnung: dem Bedürfnis nach naturnahem Campen und dem Schutzbedürfnis der Anwohner.

Aber 700qm Zeltfläche beantragen und dann einfach über 4300qm belegen geht halt nicht. Insofern sind die Familie Lang nicht Opfer von bösen Nachbarn sondern die eigentlichen Täter.

Opfer sind die Nachbarn, die diesen Terror nicht länger akzeptieren. Hier bereichert sich eine Familie auf Kosten vieler. Nicht ohne Grund sind die Allersdorfer gegen eine Erweiterung des Campingbetriebes Sturm gelaufen.

Sie würden sich ganz sicher auch wehren, wenn ihr Nachbar den Bau eines Einfamilienhauses beantragt und genehmigt bekommt, dann aber doch ohne Genehmigung eine Fabrik hin baut, weil er damit mehr Geld machen kann.

Da ich Kontakt zu den Beschwerdeführern habe, konnte ich auch die Drohnenbilder sehen. Es sind keine Personen oder Fahrzeuge identifizierbar. Die Bilder sind lediglich Beweismaterial für die Behörde um die anhaltenden Verstöße der Familie Lang gegen ihre eigene Baugenehmigung zu dokumentieren. Schließlich darf keine Behörde wegen falscher Beschuldigungen Bußgelder verhängen.


Wenn Sie die Baugenehmigung kennen würden wüssten Sie, dass die Behörde für den Zeltplatz keine unüberwindbaren Hindernisse vorgibt. Die aktuelle Baugenehmigung ist wie schon gesagt ein guter Kompromiss für Camper und Anwohner.


Beup am 17.08.21 (bearbeitet am 18.08.21)

Nur mal zum Vergleich: beliebter Nordsee - Urlaubsort mit 4000 Einwohnern, 4000 Zweitwohnsitzen und 17 000 (siebzehntausend !) Gästebetten - und da sind die Campingplätze noch nicht mitgezählt...
Vielleicht findet sich ja ein Platz, der für alle passt!

Tom am 17.08.21

Hauptsache Eventorte wie Aussichtsplattformen und Rodelbahnen stören weder Bewohner noch Behörden! Die Besucher dieser Attraktionen werden her- und danach wieder weggebeamt!

apu80 am 17.08.21

Der offene Brief gibt meine persönliche Meinung wieder. Andere Perspektiven dazu gibt es selbstverständlich auch.
Auf einige Punkte möchte ich kurz antworten:

Totschlagargument "CO2 Ausstoß/ökologischer Fußabdruck": Meiner Meinung nach ist es wesentlich sinnvoller Freizeitaktivitäten in der näheren Umgebung auszuüben, als weitere Reisen mit dem Auto oder Flugzeug zu unternehmen. Das Frankenjura liegt für die Nürnberger, Erlanger, Bamberger usw. nicht weit entfernt, somit macht es auch ökologisch einfach Sinn, hier klettern zu gehen, anstatt nach Arco oder Margalef zu fahren. Zumal man vom Kormershof aus zahlreiche Kletterfelsen zu Fuß oder mit dem Rad erreicht.

Ein Großteil der Einheimischen im Frankenjura pendeln täglich zum Arbeiten in die umliegenden Städte, großteils mit dem PKW. Über die dabei entstehenden Emissionen brauchen wir nicht zu reden. Über den Pendlerstau, den wir jeden Wochentag in den Vororten und auf den Zubringerstraßen erleben ebensowenig. Dennoch käme kein Mensch auf die Idee, Pendler aus den Ballungszentren zu verbannen. Insofern sollte vielleicht auch etwas Verständnis dafür vorhanden sein, dass die "Städter" in ihrer Freizeit nach draußen kommen und die Natur genießen möchten.

Im Endeffekt ist es mit diesem Campingplatz ähnlich wie mit Asylbewerberheimen, Windkraftanlagen oder Kinderspielplätzen: Selbstverständlich gerne, aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft. Im übertragenen Sinn: "Touristen" gerne als Kunde in der Wirtschaft oder beim Einkaufen, aber ansonsten stört uns nicht in unserer Idylle. (Ja ich weiß, das ist etwas überspitzt).

Zu guter Letzt muss ich auch erwähnen, dass ich es einfach nicht in Ordnung finde, wenn ich und meine Kinder auf dem Campingplatz von einer Drohne gefilmt werden, egal aus welchem Beweggrund.

hunter3006 am 16.08.21 (bearbeitet am 17.08.21)

Ich kenne zwei der Beschwerdeführer persönlich. Es ist nicht alles so, wie es in dem offenen Brief dargestellt wird.

Es ist ein Fakt, dass die Baugenehmigung für die Zeltwiese in Allersdorf 10 Zeltplätze und 10 Pkw dort erlaubt.
Dass sich die Betreiber nicht daran halten und häufig überbelegen hat dazu geführt, dass sich Anwohner dagegen zur Wehr setzen.
Es spielt dabei keine Rolle, ob es um gesittete Camper oder Rowdies geht. Es ist systemimmanent, dass 150 Menschen mehr Lärm erzeugen als 40.

Auch die Anwohner, die dort leben haben ein Anrecht auf Ruhe ohne den ganzen Sommer der Lärm- und Dreckemission durch zuviele Camper permanent gestört zu werden.

Ein Campingplatz so dicht an bewohntem Gebiet erlaubt nun mal auch nur eine geringe Größe um ALLEN Bedürfnissen gerecht zu werden, dem Bedürfnis nach campen und den Bedürfnissen der Anwohner.

Dass sich Familie Lang so lange schon einfach über geltendes Recht zu Lasten der Anwohner hinweg setzt wird jetzt nur folgerichtig von den Behörden sanktioniert.

Ob man in Zeiten des Klimawandels unbedingt ständig an den Wochenenden mit dem Auto zum privaten Klettervergnügen in die Fränkische Schweiz fahren muss, das muss jeder selbst entscheiden. Die wöchentichen Staus rund um Ebermannstadt und der Verdruss der Anwohner über die damit verbundenen Emissionen ist für mich jedenfalls nachvollziehbar.

Und bei allem Verständnis nach Abwechslung und Erholung in der Natur sollte auch Verständnis dafür da sein, dass ein 80 Einwohner zählendes Dorf nicht 150 Camper verkraftet.


ruding48 am 11.08.21

Achtung! Ist der Familie Lang bekannt, dass man für den Betrieb von Drohnen eine Genehmigung und eine Versicherung braucht? Auch darf man selbst mit genehmigten Drohnen nicht einfach Luftaufnahmen machen und diese ohne Einverständnis eines Betroffenen verwenden. Weiß die Gemeinde davon, ob diese Drohnen überhaupt angemeldet und genehmigt sind???

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