Ausgebrochene Sanduhren an der Maximilianswand: Kletterer schwebt in Lebensgefahr!

Sven König - 16.09.16

Am vergangenen Mittwoch (14.09.2016) ereignete sich in den Abendstunden an der Maximilianswand bei Auerbach ein schwerer Kletterunfall. Nach Ausbruch zweier Sanduhren schwebt ein 44-Jähriger aus der Gemeinde Neuhaus in Lebensgefahr. Dies ist der zweite schwere Unfall dieser Art innerhalb weniger Wochen.

Ein Teil der Südseite der Maximilianswand. Der Sonnenkönig zieht durch den schlanken Turm in Bildmitte (Bild: Markus Arnold)Ein Teil der Südseite der Maximilianswand. Der Sonnenkönig zieht durch den schlanken Turm in Bildmitte (Bild: Markus Arnold)

Gegen 19:00 Uhr stieg der Kletterer in die Route „Sonnenkönig“ ein. Die 15 Meter lange Route im sechsten Schwierigkeitsgrad befindet sich auf der Südseite der Maximilianswand. Sie wurde in den achtziger Jahren erschlossen und ist – damals mussten Hakenlöcher noch mit Handbohrer geschlagen werden - spärlich abgesichert: Der einzige Zwischenhaken der Route befindet sich in einer Höhe von gut 13 Metern, er dient zur Absicherung der schweren, überhängenden Passage auf den letzten Metern. Im darunter liegenden Hauptteil der Route im vierten bis fünften Grad waren zur Sicherung zwei Sanduhren fix mit Schlingen gefädelt.

Der 44-Jährige Kletterer aus der anliegenden Gemeinde Neuhaus befand sich auf dem Weg zum Zwischenhaken in 13 Meter Höhe. Da die Stelle vor dem Haken zwar gute Tritte, aber kaum Griffe bietet, traute er sich jedoch nicht, diesen anzuklettern und einzuhängen. Daraufhin kletterte er gute zwei Meter ab und belastete die dort befindliche Sanduhrschlinge mit seinem Sicherungsseil, um sich daran abzulassen.

Die obere, ausgebrochene Sanduhr: Das Seil liegt zu Demozwecken um den unteren Schenkel der ausgebrochenen Struktur  (Bild: Markus Arnold)Die obere, ausgebrochene Sanduhr: Das Seil liegt zu Demozwecken um den unteren Schenkel der ausgebrochenen Struktur (Bild: Markus Arnold)

Nach wenigen Augenblicken gab diese nach. Der Kletterer stürzte. Auch die darunter befindliche Sanduhr hielt der Sturzbelastung nicht stand und brach aus, so dass der Kletterer nahezu ungebremst – laut Polizeibericht aus 11,5 Metern - auf den Boden fiel.

Er zog sich dabei unter anderem ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu und wurde unter Mitwirkung der Bergwachten aus Amberg und Lauf, der Feuerwehr aus Auerbach, dem Rettungsdienst mit einem Rettungshubschrauber Christoph 27 in eine Unfallklinik gebracht. Er schwebt nach Polizeiangaben in Lebensgefahr.

Ergänzung am 17.09.2017: Die ausgebrochenen Sanduhren wurden am 16.09.2016 im Rahmen einer Ad-hoc Sanierungsaktion durch zwei Klebehaken ersetzt.

Ebenfalls ausgebrochen: die untere Sanduhr des Sonnenkönigs  (Bild: Markus Arnold)Ebenfalls ausgebrochen: die untere Sanduhr des Sonnenkönigs (Bild: Markus Arnold)

Die ist bereits der zweite Sanduhren-Unfall innerhalb weniger Wochen. An den Stadelhofener Wänden bei Gößweinstein brach einem 30-Jährigen eine Sanduhr aus und stürzte aus ebenfalls aus großer Höhe auf den Boden. Auch er wollte sich an dieser ablassen und zog sich schwere Verletzungen zu. Beide Fälle werden die zum Teil schon jahrelangen Diskussionen um das Ersetzen von für die Sicherheit zweifelhaften Sanduhren durch solide Klebehaken weiter anheizen.

An der Maximilianswand zeigt sich ein Bild wie in vielen Gebieten des Frankenjuras. Viele gut gesicherte Routen in den höheren Schwierigkeitsgraden stehen Kletterexperten mit jahrelanger Erfahrung zur Verfügung. Dem stehen fast ausschließlich sehr spärlich abgesicherte Genusskletterrouten aus der Frühzeit des Klettersports gegenüber, die zum Großteil von leistungsschwächeren Kletterern mit wenig Erfahrung begangen werden.

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